Zur Krise der katholischen Kirche

Im vollen Wortlaut erschien kürzlich ein vom Vatikan veröffentlichter Aufsatz von Papst emeritus Benedikt XVI. zur Krise der katholischen Kirche bei CNA (Catholic News Agency). Es heißt, er habe den Text für das bayerische “Klerusblatt” verfasst. In der Schrift, beschreibt der zurückgetretene Papst die Gründe für den moralischen Niedergang der katholischen Kirche. 

Die Revolution von 1968

Benedikt XVI.

Aus Sicht des früheren Kardinal Ratzingers, beginnt die Sache mit der Revolution der 68er. Mit der Sichtweise von konservativ-traditionellen Katholiken deckt sich diese Auffassung natürlich. Wie etwa den Schwestern und Brüdern der actio spes unica, die letztes Jahr bei Coriolan dankenswerter Weise in aller Deutlichkeit zum Zustand der katholischen Kirche Stellung bezogen.

„Zu den Freiheiten, die die Revolution von 1968 erkämpfen wollte, gehörte auch diese völlige sexuelle Freiheit, die keine Normen mehr zuließ. Die Gewaltbereitschaft, die diese Jahre kennzeichnete, ist mit diesem seelischen Zusammenbruch eng verbunden.“ – Benedikt XVI.

Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie

Offenbar war die katholische Kirche damals insgesamt durch die Revolutionäre der „freien Liebe“ einem starken Angriff ausgesetzt. Im nächsten Punkt, zeigt der zurückgetretene Papst auf, warum die Kirche dieser heftigen Attacke auf ihre moralischen Grundsätze nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Dabei kommt er auf das Zweite Vatikanische Konzil zu sprechen. Die Krise der katholischen Kirche, lässt sich folglich auf die angloamerikanisch-inspirierte 68er-Revolution einerseits, und auf das freimauererisch-inspirierte Konzil unter Paul VI. andererseits zurückführen.

„Unabhängig von dieser Entwicklung hat sich in derselben Zeit ein Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie ereignet, der die Kirche wehrlos gegenüber den Vorgängen in der Gesellschaft machte.“ – Benedikt XVI.

Das sich in westlichen Demokratien gesellschaftlich immer weiter verbreitetende Relativieren von Gewissheiten, die über Jahrhunderte Bestand hatten, fand seine Entsprechung im II. Vaticanum, und Benedikt XVI., der achte deutsche Papst in der Geschichte, weist dabei vordringlich auf den Verlust der klaren Kategorien von Gut und Böse hin.

Der Zweck heiligt die Mittel?

„Schließlich hat sich dann weitgehend die These durchgesetzt, daß Moral allein von den Zwecken des menschlichen Handelns her zu bestimmen sei. Der alte Satz “Der Zweck heiligt die Mittel” wurde zwar nicht in dieser groben Form bestätigt, aber seine Denkform war bestimmend geworden. So konnte es nun auch nichts schlechthin Gutes und ebenso wenig etwas immer Böses geben, sondern nur relative Wertungen. Es gab nicht mehr das Gute, sondern nur noch das relativ, im Augenblick und von den Umständen abhängige Bessere.“ – Benedikt XVI.

Alles ist relativ: diese Denkweise hatte sich wohl in den Hirnen von hunderten Millionen von Europäern durchgesetzt, und Zauberworte wie Toleranz, von Menschenrechten ganz zu schweigen, erhöhten nur die Bereitschaft zur Akzeptanz einer Moral des „Anything goes“. Daß die althergebrachten Vorstellungen der katholischen Kirche dabei nur im Weg stehen konnten, liegt auf der Hand. Wo sonst noch, von den Protestanten abgesehen, gab es schließlich sittliche und moralische Einschränkungen für den gemeinen Bürger. Die sexuelle und moralische Aufklärung wurde zunächst vom Staat verordnet. Die Kirche hingegen, die als gutes Gewissen der Moral dagegen hätte halten müssen, nahm sich mit den Beschlüssen von Papst Paul VI. selbst aus dem Spiel.

Zur Krise der katholischen Kirche

„Es gab – nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika – einzelne Bischöfe, die die katholische Tradition insgesamt ablehnten und in ihren Bistümern eine Art von neuer moderner “Katholizität” auszubilden trachteten.“ – Benedikt XVI.

Papst Bendedikt XVI. zieht hier eine Einschränkung, die wie die Schutzbehauptung eines Alkoholikers klingt. Sie soll darüber hinweg täuschen, daß die Probleme – nicht nur – aus den USA kommen. Tatsächlich kann man seit über 100 Jahren beobachten, daß neue gesellschaftliche Veränderungen und Experimente, immer aus den Vereinigten Staaten von Amerika zu uns nach Europa herüberschwappen. Schon Stefan Zweig wusste davon im Jahre 1925 zu berichten, als er die „Monotonisierung der Welt“ beschrieb, und die Ursache in einer „furchtbaren Welle der Einförmigkeit“ sah, die uns von Amerika aus überschwemmt. Und sind Dinge wie Rechte der Homosexuellen, feministischer und antifaschistischer Aktivismus etc., auch nicht dort eerdacht worden, so erreicht Europa die amerikanische Variante davon immer in einer grenzenlosen Radikalität.

Man denke etwa an die „Patchwork“-Familie.

Patchwork-Family Becker

Oder an die Femen-Weiber, die es darauf anlegen, katholische Kirchen zu entweihen.

Die geistige Konzilianz Europas, hat diesen besorgniserregenden Entwicklungen schon lange nichts mehr entgegenzusetzen.

„Wieso konnte Pädophilie ein solches Ausmaß erreichen? Im letzten liegt der Grund in der Abwesenheit Gottes. Auch wir Christen und Priester reden lieber nicht von Gott, weil diese Rede nicht prakisch zu sein scheint. Nach der Erschütterung des 2. Weltkriegs hatten wir in Deutschland unsere Verfassung noch ausdrücklich unter die Verantwortung vor Gott als Leitmaß gestellt. Ein halbes Jahrhundert später war es nicht mehr möglich, die Verantwortung vor Gott als Maßstab in die europäische Verfassung aufzunehmen.“ – Benedikt XVI.

Eben damit liefert Benedikt XVI. eine brauchbare Erklärung – keine Entschuldigung! – warum auch Vertreter der katholischen Kirche den sittenverirrten Verführungen der demokratisierten Moderne nicht widerstanden haben.

Bücher wurden wie schlechte Literatur verborgen

Widerstände gegen den Zeitgeist, gab die katholische Kirche schnell auf. Wobei der frühere Kardinal Ratzinger zu jenen Hirten zählte, die die Zerstörung der katholischen Traditionen nicht zusätzlich befeuerte:

„Vielleicht ist es erwähnenswert, daß in nicht wenigen Seminaren Studenten, die beim Lesen meiner Bücher ertappt wurden, als nicht geeignet zum Priestertum angesehen wurden. Meine Bücher wurden wie schlechte Literatur verborgen und nur gleichsam unter der Bank gelesen.“ – Benedikt XVI.

Medien, die in jüngerer Zeit die katholische Kirche wegen ihrer zahlreichen Verfehlungen an den Pranger stellten, werden nicht unter der Bank gelesen. Antikatholische Propaganda, gehört in westlichen Demokratien längst zum guten Ton. Leitmedien wie Spiegel Online ließen es sich dann auch nicht nehmen, den vorliegenden Text von Benedikt XVI. zur Krise der katholischen Kirche “richtig” einzusortieren. Ob es klug ist, in dieses Horn zu blasen, wagt der deutsche Papst im Ruhestand zu bezweifeln.

„Es geht heute in der Anklage gegen Gott vor allen Dingen darum, seine Kirche als ganze schlechtzumachen und uns so von ihr abzubringen.“ – Benedikt XVI.

Die heilige Kirche, die unzerstörbar ist

Bischof-Athanasius-Schneider

Während der amtierende Papst Franziskus nicht nur von Weihbischof Athanasius Schneider der Häresie verdächtigt wird, hat sich Benedikt XVI. in seiner Schrift klar zu den erschütternden Verfehlungen innerhalb der Kirche bekannt, ohne eine Relativierung vorzunehmen. Er gibt allerdings zu bedenken:

„Es ist sehr wichtig, den Lügen und Halbwahrheiten des Teufels die ganze Wahrheit entgegenzustellen: Ja, es gibt Sünde in der Kirche und Böses. Aber es gibt auch heute die heilige Kirche, die unzerstörbar ist. Es gibt auch heute viele demütig glaubende, leidende und liebende Menschen, in denen der wirkliche Gott, der liebende Gott sich uns zeigt. Gott hat auch heute seine Zeugen (“martyres”) in der Welt. Wir müssen nur wach sein, um sie zu sehen und zu hören.“ – Benedikt XVI.

In politics sind die Ausführungen des Papstes Munition für alle Gegner des „linksgrünversifften“ 68er-Ungeistes, der auch in Deutschland wesentliche Mitschuld für den Zustand und die Verfassung der heutigen, bundesdeutschen Gesellschaft trägt.

Tröstliches dürften Christen in dem Aufsatz von Papst Benedikt XVI. finden, und zudem eine Ermutigung, Gott ins Zentrum eigener Überlegungen zu stellen:

„Eine erste Aufgabe, die aus den moralischen Erschütterungen unserer Zeit folgen muß, besteht darin, daß wir selbst wieder anfangen, von Gott und auf ihn hin zu leben. Wir müssen vor allen Dingen selbst wieder lernen, Gott als Grundlage unseres Lebens zu erkennen und nicht als eine irgendwie unwirkliche Floskel beiseite zu lassen.“ – Benedikt XVI.

Bilder:

https://www.gala.de/stars/boris–lilly—barbara–die-schoensten-bilder-der-grossfamilie-um-boris-becker_21606948-20547476.html

https://www.rt.com/news/femen-topless-action-pope-034/

https://katholisches.info/2018/06/29/hinter-der-migration-steht-ein-plan-die-europaeischen-voelker-auszutauschen/

 

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