Dichtkunst bei Coriolan:

ars poertica: Theodor Körner an Viktoria

Dichter: Clemens Brentano

“Ich weiß es wohl, du hast um mich geweint,
Es geht die Welt nichts an, du kennst mich gut,
Wie du mich kennst, so hab’ ich es gemeint,
Mit dir, dem Vaterland und meinem Blut,
In Lebenslust hab’ ich zur Kunst gestrebt,
Der kann nicht dichten, der nicht gerne lebt.

Du weißt es wohl, ich habe gern gelebt,
Ich war so jung, so fröhlich, so gesund,
Das Lied, das meiner Lyra kaum entschwebt,
Trug an der Menschen Herz dein schöner Mund.
O selig Lied! dem Huld die Seele giebt,
Der kann nicht leben, der nicht gerne liebt.

Du weißt es wohl, ich habe dich geliebt,
Verzeih, o Liebe, die den Kranz mir wand,
Daß andre Feier mir den Kranz auch giebt,
Den Eichenkranz das deutsche Vaterland.
Bei einer Eiche senkten sie mich ein,
Der kann nicht lieben, der nicht frei will sein.

Du weißt es wohl, ich konnte frei nur sein
Mit meines Deutschlands deutscher Kunst und Art,
Und setzte deutsch mein deutsches Leben ein,
Gleich deutschen Dichtern auf der Ritterfahrt.
Der hat gedichtet nicht, geliebt, gelebt,
Der kann nicht frei sein, der dem Tod erbebt.

Du weißt es wohl, daß gern den Tod ich starb.
Ich sah Viktoria dich, und stieg hinab,
Leg nun die Kränze all, die ich erwarb,
Kunst, Liebe, Leben, Freiheit, auf mein Grab,
O Epheu, Lorbeer, Myrte, deutsche Eiche,
Singt der Viktoria, was ich verschweige.”

Schön war sein Tod, ich traure nicht um ihn.
Der Frühling kömmt, und macht die Bäume grün,
Der Vogel singt, die grünen Räume blühn,
Die Blüte fällt, die reifen Früchte glühn,
Sie bricht der Herbst, die Sänger weiter ziehn.
Still wird die Welt, es neiget sich der Winter,
Und zu des ew’gen Feuers Licht führt Gott die Kinder!

+++

ars poetica: Abendsegen

Dichter: Engelbert Humperdinck

Abends, wenn ich schlafen geh,
Vierzehn Engel um mich stehn:
Zwei zu meinen Häupten,
Zwei zu meinen Füßen,
Zwei zu meiner Rechten,
Zwei zu meiner Linken,
Zweie, die mich decken,
Zweie, die mich wecken,
Zweie, die mich weisen,
Zu Himmels Paradeisen.

+++

ars poetica: Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Dichter:  Theodor Fontane

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ‘ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ‘ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. ‘s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ‘ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn’ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung’ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ‘ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew’ di ‘ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

+++

ars poetica: Gefangenenchor

Dichter: Temistocle Solera

Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen,
lass dich nieder auf jenen Hängen und Hügeln,
wo sanft und mild der wonnige Hauch
der Heimaterde duftet.

Grüße die Ufer des Jordan,
die zerfallenen Türme Zions…
O mein Vaterland, du schönes, verlorenes!
O Erinnerung, du teure, verhängnisschwere!

Goldene Harfe der Schicksalsverkünder,
warum hängst du stumm am Weidenbaum?
Entzünde neu die Erinnerung in den Herzen,
sprich uns von den Tagen von einst!

O passend zu den Schicksalen Jerusalems
bring einen schmerzlichen Klageton hervor!
Möge dir der Herr einen Klang eingeben,
der Kraft zum Leiden verleiht.

+++

ars poetica: Il est nè le divin enfant

Dichter: Unbekannt

Refrain
Il est né le divin enfant,
Jouez hautbois, résonnez musettes!
Il est né le divin enfant,
Chantons tous son avènement!

Depuis plus de quatre mille ans,
Nous le promettaient les prophètes
Depuis plus de quatre mille ans,
Nous attendions cet heureux temps.

Refrain

Ah ! Qu’il est beau, qu’il est charmant!
Ah ! que ses grâces sont parfaites!
Ah ! Qu’il est beau, qu’il est charmant!
Qu’il est doux ce divin enfant!

Refrain

Une étable est son logement
Un peu de paille est sa couchette,
Une étable est son logement
Pour un Dieu quel abaissement!

Refrain

Partez, grands rois de l’Orient!
Venez vous unir à nos fêtes
Partez, grands rois de l’Orient!
Venez adorer cet enfant!

Refrain

Il veut nos cœurs, il les attend:
Il est là pour faire leur conquête
Il veut nos cœurs, il les attend:
Donnons-les lui donc promptement!

Refrain

O Jésus ! O Roi tout-puissant
Tout petit enfant que vous êtes,
O Jésus ! O Roi tout-puissant,
Régnez sur nous entièrement!

Refrain

De la crèche au crucifiement
Dieu nous livre un profond mystère
De la crèche au crucifiement
Il nous aime inlassablement!

Refrain

Le Sauveur que le monde attend
Pour tout homme est la vraie lumière
Le Sauveur que le monde attend
Est clarté pour tous les vivants!

Refrain

Qu’il revienne à la fin des temps
Nous conduire à la joie du Père
Qu’il revienne à la fin des temps
Et qu’il règne éternellement!

Refrain

+++

ars poetica: Dezember

Dichter: Erich Kästner

Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.

Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.

Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.

Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.

Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
„Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.“

+++

ars poetica: Mir ham se als geheilt entlassen

Dichter: Otto Reutter 

Ick falle uff bei groß und klein,
ick hab’ ne ziemlich hohe Stirne.
Mit mir soll’s nich ganz richtich sein,
man sagt, ick hätt’ ‘ne weiche Birne.
Zum Irrenhaus bracht’ man mich hin –
da war’n schon Stücker sechs Insassen,
die sechse, die sind heut’ noch drin –
Mir ham se als geheilt entlassen!

Ob ick jeheilt bin, weeß ick nich,
se könn’s ja selber mal taxieren –
‘ne Steuerrechnung kam für mich,
ick fand ‘nen Fehler beim Addieren.
Zu wenig stand uff dem Papier,
ick stürmt nach alle Steuerkassen:
„Sie krieg’n ja noch zehn Mark von mir!“ –
Mir ham se als geheilt entlassen!

Een Taschenmesser hatt’ ick früh’r,
‘n Zigarr’nabschneider war daneben
und hintendran een Proppenzieh’r –
die Waffe hab ick abgegeben
ick sagt: „Ick schwärm’ für’n Waffenschwund,
‘s gibt ja keen Streit mehr bei den Rassen,
dafür sorgt schon der Völkerbund“ –
Mir ham se als geheilt entlassen!

Ick lebe gerne gut, wenn’t geht,
bin früher mal Rentier gewesen.
Jetzt hat sich’s leider „ausrentiert“,
doch nächstens komm’ ick uff de Spesen.
Ick hab’ ja große Sicherung,
ick krieg’ mein Geld zurück in Massen,
ick gloobe an de Aufwertung –
Mir ham se als geheilt entlassen!

Ick kam in eene Schlägerei
und kriegte eens uff meine Birne.
Ick hab’ mir nich gewehrt dabei,
weil ick mir nich so leicht erzürne.
Ick hielt ganz still und dachte prompt:
„Im Oogenblick wird man euch fassen –
ick wart’ bloß, bis een Schutzmann kommt.
Mir ham se als geheilt entlassen!

Für Bildung hab’ ick hohen Sinn,
ick lese gerne in de Zeitung.
In meinen Kopp, da geht wat rin,
ick hab’ ’ne ziemlich lange Leitung.
Ick les’ nich alles, wat erschien,
nich so ’ne Sachen, so ’ne krassen –
ick les’ den „Heitern Fridolin“. – 
Mir ham se als geheilt entlassen!

Een Mädel war schon oft verlobt
und sacht trotzdem, se hätt’ im Leben
noch nie jeküßt – ick hab’s gegloobt,
zur Hochzeit hat sie sich begeben.
Ick folgte ihr beim Hochzeitstanz
und sang ganz laut in allen Gassen:
„Wir winden dir den Jungfernkranz.“ – – –
Mir ham se als geheilt entlassen.

Ick ging in een Theata hier,
ick seh’ sehr gerne solche Sachen.
Beim Lustspiel gräm’ ick meistens mir,
beim Trauerspiel, da mußt’ ick lachen.
Um sieben stand’n schon haufenweis
die Leut’ mit Bons an allen Kassen,
bloß ick bezahl’ den vollen Preis –
mir ham se als geheilt entlassen.

Ick bin jetzt oft uff eenen Fleck
Potsdamer Straße hier zu finden.
Man frug mich: „Gehn sie dann nich weg?“
Ick sagt: „Ick werde bald verschwinden,
ick will bloß Kurze Zeit geschwind
hier uff de Straße Posten fassen,
bis die mit Buddeln fertig sind.“ –
mir ham se als geheilt entlassen.

Vor kurzem prüft’ man mir nochmal,
und stellte mir verschied’ne Fragen.
Man wollte seh’n, ob ick normal,
die deutsche Hauptstadt sollt’ ick sagen.
Ick dacht’: „Die Hauptstadt soll et sein“ –
und hatt’ keen Schimmer, keenen blassen –
da endlich fiel mir – Cottbus ein. –
Mir ham se als geheilt entlassen.

Im Sommer fährt man gern wohin,
um seinen Urlaub mal zu feiern.
Ick dacht’, weil ick een Preuße bin,
fahr’ ick am liebsten mal nach Bayern.
Weil die die Preußen riesig lieb’n,
wollt’ ick die Bayern froh umfassen –
die ham mir ‘n Schädel eingetrieb’n
und ham mir als geheilt entlassen.

Verheirat’t war ick schon vier mal,
die erste lebte ungezüjelt,
die zweete machte viel Skandal,
die dritte hat mir oft vaprügelt,
die vierte floh mit eenem Mann
und tat mit ihm mein Geld verprassen. – 
Jetzt schaff’ ick mir die fünfte an –  
mir ham se als geheilt entlassen.

Ick hab `n ziemlich großet Maul,
doch sonst bin ick recht energielos,
zur Arbeet bin ick viel zu faul,
drum kooft ick mir een Lotterielos.
Die Lotterie war Lotterei,
ick spielte durch in alle Klassen.
Gewonn’n ham bloß Beamte – zwei – 
mir ham se als geheilt entlassen.

Sonst jeht’s mir ziemlich angenehm,
ick könnt’ ja ooch da unten sitzen.
Da säß’ ick mollig und bequem
und brauchte nich hier oben schwitzen.
Wat bin ick bloß für een Idiot –
hier steh’ ick nu und schneid’ Grimassen –
sie schweigen, und ick schrei’ mir dot –
Mir ham se als geheilt entlassen.

+++

ars poetica: Sellerie

Dichter: Lothar Röhrig

Ich eß für mein Leben gern Klops und Sauerkraut
Auch Eisberg und Püree, auch Hühnerfrikassee
Doch mein Freund Hieronymus hat ‘ne süße Braut
Das Mädel heißt Sophie
Sie frisst nur Sellerie

Sellerie, Sellerie, Sellerie
Spät und früh, frisst Sophie Sellerie
Früh morgens schreit’s schon im Bad:
Wo bleibt denn bloß mein Selleriesalat?

Sellerie, Sellerie, Sellerie
Apfelmuß, Pflaumenmuß frisst sie nie!
Sie will nicht Bismarckhering mit Spinat,
Nein, ausgerechnet Selleriesalat

Neulich beim Geschäftsessen die größte Sorge*:
Es gab gebratene Gans
Und hinterher noch Tanz
Nach dem Essen gab’s Gebäck und ‘nen Tässchen Tee
Da fragt Sophie ganz bang’:
Wo bleibt der letzte Gang?

Sellerie, Sellerie, Sellerie
Spät und früh, frisst Sophie Sellerie
Früh morgens schreit es schon im Bad:
Wo bleibt denn bloß mein Selleriesalat?

Sellerie, Sellerie, Sellerie
Apfelmuß, Pflaumenmuß frisst sie nie!
Sie will nicht Bismarckhering mit Spinat,
Nein, ausgerechnet Selleriesalat

Abends wenn es schlafen geht, hat er seine Qual,
schließt er die Augen zu,
lässt sie ihm keine Ruh’:
Lieber Schatz, mir fehlt noch was, sagt sie jedesmal.
Da greift er neben’s Bett,
da steht auf dem Tablett:

Sellerie, Sellerie, Sellerie
Spät und früh, frisst Sophie Sellerie
Früh morgens schreit sie schon im Bad:
Wo bleibt denn bloß mein Selleriesalat?

Sellerie, Sellerie, Sellerie
Apfelmuß, Pflaumenmuß frisst sie nie!
Sie will nicht Bismarckhering mit Spinat,
Nein, ausgerechnet Selleriesalat

+++

ars poetica: Mein Vaterland

Dichter: Theodor Körner

Wo ist des Sängers Vaterland?
Wo edler Geister Funken sprühten,
Wo Kränze für das Schöne blühten,
Wo starke Herzen freudig glühten,
Für alles Heilige entbrannt.
Da war mein Vaterland!

Wie heißt des Sängers Vaterland?
Jetzt über seiner Söhne Leichen,
Jetzt weint es unter fremden Streichen.
Sonst hieß es nur das Land der Eichen,
Das freie Land, das deutsche Land.
So hieß mein Vaterland!

Was weint des Sängers Vaterland?
Daß vor des Wüt’richs Ungewittern
Die Fürsten seiner Völker zittern,
Daß ihre heil’gen Worte splittern,
Und daß sein Ruf kein Hören fand.
Drum weint mein Vaterland!

Wem ruft des Sängers Vaterland?
Es ruft nach den verstummten Göttern,
Mit der Verzweiflung Donnerwettern
Nach seiner Freiheit, seinen Rettern,
Nach der Vergeltung Rächerhand.
Der ruft mein Vaterland!

Was will des Sängers Vaterland?
Die Knechte will es niederschlagen,
Den Bluthund aus den Grenzen jagen
Und frei die freien Söhne tragen
Oder frei sie betten unterm Sand.
Das will mein Vaterland!

Und hofft des Sängers Vaterland?
Es hofft auf die gerechte Sache,
Hofft, daß sein treues Volk erwache,
Hofft auf des großen Gottes Rache
Und hat den Rächer nicht verkannt.
Drauf hofft mein Vaterland!

+++

ars poetica: Auf die Europa

Dichter: Gotthold Ephraim Lessing

Als Zeus Europen lieb gewann,
Nahm er, die Schöne zu besiegen,
Verschiedene Gestalten an,
Verschieden ihr verschiedlich anzuliegen.
Als Gott zuerst erschien er ihr; dann als ein Mann, und endlich als ein Tier.
Umsonst legt er, als Gott, den Himmel ihr zu Füßen:
Stolz fliehet sie vor seinen Küssen.
Umsonst fleht er, als Mann, in schmeichelhaftem Ton:
Verachtung war der Liebe Lohn.
Zuletzt – mein schön Geschlecht, gesagt zu deinen Ehren! –
Ließ sie – von wem? – vom Bullen sich betören.

+++

ars poetica: Im Herbst

Dichter: Wilhelm Busch

Der schöne Sommer ging von hinnen,
der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
so manches feines Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
mit kunstgeübten Hinterbein
ganz alleröiebste Elfenschleier
als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
dem Winde sie zum leichten Spiel,
die ziehen sanft dahin und schweben
ans unbewusst bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
wo Liebe scheu im Anbeginn
und leis verknüpft ein zartes Bändchen
den Schäfer mit der Schäferin.

+++

ars poetica: Von der Freude

Dichter: Johann Nikolaus Götz

“Sage”, sprach ich, “holde Freude,
Sage doch, was fliehst du so?
Hat man dich, so fliehst du wieder!
Niemals wird man deiner froh.”

“Danke”, sprach sie, “dem Verhängnis!
Alle Götter lieben mich;
Wenn ich ohne Flügel wäre,
Sie behielten mich für sich.”