Coriolan-Musikstube:

(Der Verfasser  dieser Seite vertritt nur seine eigene Meinung. Fragen, Kommentare, Kritik, Rückmeldungen und Anregungen zur Musikstube bitte an: inform@coriolan.in)

21.10.1018:

Mir ist heute erst aufgefallen, wie dramatisch Beethovens “Eroica” ist; aufwallende Musik ohne sentimentale Romantik. 

07.07.2016:

Hinein versetzt in die Zeit der Hausmusik, muss man sich auch bewusst machen, was es damals noch alles zu entdecken gab. Was wollen wir denn heute noch? Welche aussichtsreichen Ziele gibt es noch, welche Träume und Visionen haben wir für die Zukunft? Wer also die Vergangenheit Europas in irgendeiner Weise schlecht zeichnen will, sollte einmal bedenken, wie begnadet man war, in diesen Tagen die Welt erleben und entdecken zu dürfen.

05.07.2016:

Von Antonio Vivaldi sind eine ganze Menge Flötenkonzerte überliefert, im riesigen Gesamtwerk des Joh. Seb. Bach finden wir immerhin die Suite Nr. 2 h-Moll BWV 1067.

03.07.2016:

Wir bleiben in “Dunkeldeutschland”, also bei Karl Böhm und den Wiener Philarmonikern.

Wie lange hat es bei den Wiener Philharmonikern gedauert, bis die erste Frau spielen durfte?“, fragt Christoph Lindinger, Managing Partner von Schönherr Rechtsanwälte. 155 Jahre hat es gedauert, eigentlich sogar länger. 1997 hat sich das Orchester durchgerungen, mit seiner langen Tradition zu brechen, nur männliche Musiker zu Probespielen einzuladen. Seit damals dürfen nun auch Frauen ihr Können vor der exklusiven Männerriege unter Beweis stellen. Heute, 16 Jahre später, gehören immerhin sieben Musikerinnen zum Orchester, das insgesamt 128 Mitglieder zählt. – Die Wiener Philharmoniker sind nicht immer ein Vorbild

Karl Böhm hat das also nicht mehr erlebt, denn er verstarb bereits 1981.

Bösen Sarkasmus sagte man Karl Böhm bei der Probenarbeit nach. Während des Dritten Reichs soll er Musikern mit Versetzung an die Ostfront gedroht und einer Sängerin empfohlen haben, sich schwängern zu lassen, damit sie endlich eine “Stütze” bekomme. Dementsprechend wenig zimperlich ging man mit dem alten Maestro um. Im nekromanischen Wien erzählte man sich: “Wann der Böhm beim Friedhof vorbeikummt, binden sich d’Würmer schon die Servietten um.” Dirigentenwitze

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An manchen Dingen kommt man einfach nirgendwo vorbei, sie verfolgen einen auf Schritt und Tritt. Nazis zum Beispiel. Zunächst aber sei jedem die Serenata Notturna von Mozart wärmstens empfohlen, ein absolut sommerlich-erfrischender Hörgenuss.

Hier gespielt vom Kremarata Baltica, Gidon Kremers Kammermusik Orchester. Und achten Sie mal bitte auf die Stelle im Rondo, ab Min. 9:20. Dort trommelt der Mann an der Pauke, dem Kontrabassisten den Weg für ein kleines Mini-Solo frei, wobei der Übergang derart fließend und harmonisch verläuft, daß es mir vor Verzückung beinahe die Sprache verschlägt.

Nun schien mir aber nicht nur diese Stelle in dieser Darbietung, ein wenig zu sehr improvisiert, als daß ich sie der originalen Orchestrierung zurechnen würde. Also habe ich das Ganze mit einer älteren Aufführung unter der Leitung von Karl Böhm verglichen.

Und siehe da, hier suchen wir das kleine Kontrabass-Solo und die anderen auflockernden Mätzchen vergeblich. Diese Aufführung unter der Leitung von Böhm wirkt natürlich etwas trockener, sehr routiniert und abgeklärt. Was hier die ganze Geschichte auflockert, sind zwei Kommentare unter dem Video, und damit wären wir wieder bei der Einleitung:

Why is it all boys and not girls. I am so confused. The conductor put so many boys and it is straight boys. I don’t get it. Why doesn’t the conductor put girls in it and mix it with girls? – Emmy Chen

Because He was a Nazi. A real Nazi. Deal with it you fucking feminist. – Eron Anon

02.07.2016:

Wer. wie alle subversiven Kräfte der neuen Weltordnung, die Nationalstaaten und Völker Europas, im Grunde nur als eine Beute und Opfer betrachtet, begibt sich zwangsläufig in die Rolle eines Raubtieres. Daran etwas anstößig oder ungewöhnlich zu finden, wäre genauso als würde man seinen Kater verdammen, wenn er einen kleinen Spatz erlegt hat. Ähnliches gilt auch für das Jagdverhalten der niedlichen Delfine, die Tümmler nutzen ihre körperliche und geistige Überlegenheit gegenüber einem Schwarm von Fischen gnadenlos und triebgesteuert aus, ohne Schuldbewusstsein. Wer würde es ihnen zum Vorwurf machen? Und das Gleiche Verhalten finden wir im übertragenen Sinne auch bei den sogenannten “Eliten”, die mit dem Kapitalismus dafür sorgen, daß Geld die Welt regiert.

Wenn man es von der Warte aus betrachtet, handelt es sich bei diesen Leuten um Raubmenschen.

Trauer-Musik eines kunsterfahrenen Kanarien-Vogels.

01.07.2016:

In seiner Zeit in Italien, soll Georg Friedrich Händel, der dort als “Il sassino” ( Der Sachse ) bekannt war, auf einem Maskenball in Venedig auf einem Cembalo musiziert haben. Der Überlieferung nach, rief Domenico Scarlatti dazwischen:

Das ist entweder der berühmte Sachse oder der Teufel!

30.06.2016:

Albert Einstein urteilte über diese, für Constanze Mozart geschriebene Arie, sie sei von “überwältigender Süßigkeit und Naivität”.

25.06.2016:

“Sans identité les peuples ne sont rien, et nous ne voulons pas être de petits consommateurs sans âmes, alors au Diable Bruxelles.” – Cheyenne Carron

Frei übersetzt: *Ohne Identität sind die Völker nichts und wir wollen keine kleinen Konsumenten ohne Seelen für den Teufel Brüssel sein.* Hoffentlich täuscht sich Madame Carron nicht. Sehr viele vertierte Zeitgenossen machen auf mich den Eindruck, als würden sie sich damit durchaus zufrieden geben.

17.06.2016:

Anders als in Hollywood, wo staffelweise Serien oder Filme gedreht werden, in denen der Präsident unbedingt geschützt werden muss, geht es in europäischen Opern nicht selten um Verschwörungen der korrupten Eliten, wofür sie am Ende teuer bezahlen müssen. Königsmorde finden wir zum Beispiel in Verdis Macbeth, Rigoletto oder bei Un ballo in maschera.

15.06.2016:

Hier bringt sich eine Verzweifelte um, die der Meinung war, daß ein Pinkerton als Ehemann eine gute Partie abgegeben würde.

Für Madame Butterfly endete die Liebschaft mit einem Amerikaner im Suizid. Wie die Liebelei Deutschlands mit den USA wohl ausgehen wird?

14.06.2016:

Drastisch reduziert, haben wir diese Aufnahme Richard Mühlfeld zu verdanken.

Bei den drei Violine/Piano-Sonaten von Brahms hatte es noch etwas gedauert, bis ich mit ihnen so richtig warm wurde. Diese erste seiner beiden Klarinette/Piano-Sonaten, aus dem Jahre 1894, brannte sich direkt so heiß ein, man könnte sagen, ich bin Feuer und Flamme für dieses Brahms’sche Spätwerk.

Ob es Zufall war, daß David Shifrin und Yevgeny Yontov die Mikrofone nicht in unmittelbarer Nähe der Instrumente platzierten?

13.06.2016:

Bei Gidon Kremer verhielt es sich so, ich hatte nie zuvor was über den Mann gelesen, hatte keinen Schimmer wer er ist, hörte ihn spielen und war sofort hellauf begeistert.

Auf Daniel Hope wurde ich aufmerksam wegen Yehudi Menuhin. Der Brite gilt laut “Tagesspiegel” als dessen musikalischer Enkel. Gerade hatte ich noch Menuhin mit Kremer verglichen, wobei letzterer schon ganz leicht abfällt. Ist einfach so.

Aber Hope mit Menuhin vergleichen, kann man das überhaupt? Ich hab’ mir ja fest vorgenommen, mich bezüglich Musikkritik etwas zurückzuhalten. Daher stelle ich diese Rekomposition, Max Richters “Vivaldi 2.0”, einfach mal so in den Raum.

09.06.2016:

Trauermarsch auf den Tod eines Helden. Wen hatte Beethoven hier verewigt? Womöglich eines der berühmten Opfer des tribunal révolutionnaire? Oder aber – meine heimliche Vermutung – war dieser Marsch womöglich W. A. Mozart gewidmet?

08.06.2016:

Valery Afanasiev, den man auch an der Seite von Gidon Kremer bewundern kann, macht hier eine Menge anders als Pollini und andere Pianisten. Das wirkt nur im ersten Moment ein wenig lahm, tatsächlich kostet er die Töne aus, wie ein Kulinariker, er verschmäht dabei kein Häppchen, wodurch das Andante der Pastorale bei ihm, wie ein komplett neues Werk erscheint.

07.06.2016:

„Haben Sie noch nicht Maria von Weber’s „Freischütz“ gehört? Nein? Unglücklicher Mann! Aber haben Sie nicht wenigstens aus dieser Oper „das Lied der Brautjungfern“ oder „den Jungfernkranz“ gehört? Nein? Glücklicher Mann!“ – Heinrich Heine

Nur ein Verdacht, aber könnte es nicht sein, daß sich der Regisseur Georg Schütky hier dachte, komm’, wir verhunzen den Freischütz jetzt mal so richtig, damit auch ja niemand auf die Idee kommt, sich mit diesem Werk näher zu beschäftigen? Soll seine Inszenierung im Grunde nur der Abschreckung dienen?

Als Vergleich eine wesentlich ältere Inszenierung, für die Stelle mit dem Jungfernkranz bitte nach 94 Minuten einsteigen.

06.06.2016:

Betonungen und Akzente. Finden wir in der Sprache der Musik selten so faszinierend verdeutlicht wie hier bei Maurizio Pollini. Achten Sie mal darauf, mit welcher Intensität Pollini manche Töne in die Länge zieht, die nächsten Noten laufen bereits nach, während der Hauptton erst langsam ausklingt. Beim Andante von Beethovens Sonate No. 15 macht er nicht viel anders, als andere Pianisten. Er spielt nur mit seinen eigenem Akzent und seiner eigenen Betonung.

05.06.2016:

Gidon Kremer gefällt mir deutlich besser als Itzhak Perlman. Keine Ahnung warum, liegt wohl am Vibrato. Bei dieser Aufführung bringt er eine Intensität ein, die nur schwer zu überbieten sein dürfte.

04.06.2016:

Yehudi Menuhin war der Erste, der die sechs Violinen-Solo ( BWV 1001–1006 ) Partiten von Joh. Seb. Bach für Tonträger einspielte. Alle Stücke folgen dem Tempo nach dem Satz von Kirchensonaten in Folge von “langsam”, “schnell”, “langsamer”, “schneller”. Die Wirkungsgeschichte dieser Sonaten ist zweifellos sehr interessant und inspirierte u. a. Männer wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann und Johannes Brahms.