Merkel-muss-weg-Demo in Hamburg

Einem spontanen Entschluss folgend, mache ich mich gestern Abend auf den Weg zur Merkel-muss-weg-Demo in Hamburg. Es war, als folgte ich einem Aufruf. Erst wenige Stunden zuvor, hatte der Hamburger Innensenator Andy Grote mit markigen Worten davor gewarnt, die Demonstration zu besuchen, denn: „Jeder, der da hinkommt, muss wissen, dass er mit Rechtsextremen gemeinsame Sache macht“.

Merkel-muss-weg-Demo am Dammtor

Auf dem Weg zum Bahnhof Dammtor, der als Veranstaltungsort fungiert, werde ich dreimal von Angestellten bedient. Mal mehr, mal weniger freundlich. An einer Tankstelle, im Bus, und in einem Kiosk am S-Bahnhof Klein-Flottbek. Jedesmal handelt es sich offensichtlich um Menschen mit dem berühmten „Migrationshintergrund“. Die Umvolkung ist in Hamburg in vollem Gange, und es ist ein seltsames Gefühl, sich vor diesem Hintergrund auf den Weg zu einer Veranstaltung zu machen, bei der man gedenkt, ausdrücklich gegen Massenmigration zu demonstrieren.

Ein politisch-korrekter Journalist der Hamburger Morgenpost kommentierte nach der letzten Demonstration, dass es den „Hetzern“ nicht gelingen wird, Hamburg „zu erobern“. Und tatsächlich: Dass die „Machtübernahme“ nicht kurz bevorsteht, beweist ein Blick auf einen Zeitungsstand am S-Bahnhof Klein-Flottbek. Hier bekommt man Zeitungen wie „Neue Welt“, „Neues Deutschland“, und natürlich die „taz“, aber keine einzige (r)echte Alternative dazu.

Alerta Alerta Antifascista

Bei der Ankunft am Bahnhof Dammtor verirre ich mich zunächst nach links, und lande bei einer aufgehetzten und aggressiven Menschenmenge. „Nationalismus raus aus den Köpfen! Nationalismus raus aus den Köpfen!“, brüllt es aus unzähligen Kehlen. Super, denke ich mir, willkommen bei der Antifa. Halblaut frage ich zur Seite, ob dafür stattdessen der Internationalismus in die Köpfe rein soll, aber keiner der Fanatiker nimmt in dem Moment Notiz von meiner Person.

Die Menschen, die gegen Bundeskanzler Frau Merkel demonstrieren wollen, befinden sich offensichtlich woanders. Ein Polizist verweist mich auf die andere Seite des Bahnhofs. Nebenbei bekomme ich mit, wie eine Bürgerin sich bei der Polizei danach erkundigt, wer demonstriert. „Links gegen Rechts“, antwortet der Beamte. Die Unbeteiligte reagiert unwirsch, beinahe entnervt auf die Auskunft.

Im Gegensatz zur aufgeheizten Atmosphäre bei den Linken, wirkt die Stimmung bei den Rechten ziemlich entspannt. Die Demonstranten unterhalten sich vor dem Beginn der Demonstration in normaler Lautstärke. Man grüßt sich und geht aufeinander zu. Mit nicht wenigen der Anwesenden lässt sich mittels eines freundlichen Blicks ein erster Kontakt herstellen. Man versteht sich. Das Gefühl, hier auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen, breitet sich wohltuend in mir aus.

Friedlicher Protest

Es sind schätzungsweise 200-250, sich zu Deutschland und seinem Volk bekennende, Patrioten, die an diesem Montagabend den Weg zum Bahnhof Dammtor gefunden haben, um gegen Bundeskanzler Frau Merkel und ihre Schergen zu protestieren.

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Das Hamburger Schmuddelwetter dürfte einige Gleichgesinnte abgehalten haben. Dass es sich bei den anwesenden Demonstranten um die mutigsten Deutschen der Hansestadt handelt; davon bin ich zutiefst überzeugt.

Zu Beginn der Veranstaltung verliest eine Mitveranstalterin die Hausordnung. Als erstes wird die Absicht betont, friedlich und gewaltlos zu demonstrieren. Die Sprecherin merkt an, dass die Demonstrationen nur unter dem Schutz der Polizei stattfinden können, worauf die Menge lautstark skandiert: „Danke Polizei!“. Welch ein Kontrast zu den hasserfüllten und fanatisierten „Gegendemonstranten“, deren Gekreische permanent im Hintergrund zu hören ist.

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Im Anschluss kommen mehrere Redner zu Wort, Damen und Herren, die allesamt ihren Unmut über das herrschende System in der Bundesrepublik und der EU zum Ausdruck bringen. „Merkel muss weg“, ist dabei nur ein Schlagwort. Den meisten Besuchern der Demo ist klar, dass die Bundeskanzler Frau nur die Spitze des Eisbergs darstellt. Einer der Redner gibt sich als ehemaliger DDR-Bürger zu bekennen, und verweist darauf, dass man dort immerhin eine eigene Verfassung hatte, wovon im Hinblick auf das Grundgesetz der Bundesrepublik schließlich keine Rede sein könne.

Volksverräter! Volksverräter!

Ein schon etwas betagtere Frau, versucht die Anwesenden aufzurichten, und wirft die These ein, dass auf jeden Demonstranten mindestens dreißig bis vierzig Bekannte entfallen, die zwar ähnlich denken, aber einfach nicht den Mut haben, sich öffentlich dazu zu bekennen. Leider ist ihrem Redebeitrag ebenfalls zu entnehmen, dass der Schutz durch die Polizei nicht immer gewährleistet ist. Vor einigen Wochen sei sie am Rande einer Merkel-muss-weg-Demo von wildgewordenen Antifanten am Bahnhof umgerannt worden. Als Andenken daran trage sie noch immer Schürfwunden mit sich herum.

Zu den Rednern gehört an diesem Abend auch Raimund Samson. Ein freier Künstler aus Wilhelmsburg, der sich früher eindeutig als Linker verstand, bevor er anfing „etwas genauer hinzuschauen“. Auf seinem Blog berichtet er regelmäßig über die Demonstrationen, an denen er teilnimmt, hier wäre sein Beitrag zu der sechsten Merkel-muss-weg-Demo in Hamburg zu finden.

Als einer der Redner auf den Amtseid von Angela Merkel verweist, und die zahlreichen Rechtsbrüche unter ihrer Regentschaft anspricht, bin ich beileibe nicht der einzige, der wütend skandiert: „Volksverräter!“. Da springt das „Frühwarnsystem der Demokratie“ an, aber gehört sich das nicht so für „Rechtsextremisten“? Niemand kann mich von der Meinung abbringen, dass es sich bei den Vertretern der sogenannten Altparteien ausnahmslos um lupenreine Demokraten handelt, die ihr eigenes Volk verraten. Wie könnte man die Bagage also treffender bezeichnen?

Zum Abschluss der Merkel-muss-weg-Demo, singen die patriotischen Demonstranten das Volkslied „Die Gedanken sind frei“ und die Nationalhymne. Es regnet die ganze Zeit und die feindselige Haltung der Gegendemonstranten, die mutig „Zivilcourage“ zeigen, liegt wie ein Bleimantel über der Szenerie. Einer der Veranstalter fordert uns schließlich auf, die Anweisungen der Polizei abzuwarten, die eigens einen Sonderzug heranschaffen, um uns „Nazis“ in Sicherheit zu bringen.

Deutschland ist kaputt

Ich warte geduldig am Eingang. Die Überdachung des Dammtor-Bahnhofs ist löchrig, und nicht zum ersten Mal fällt mir der plätschernde Sturzbach auf, der an der Außenwand des Mauerwerks hinabläuft. Ein Besucher der Demonstration, ein älterer Herr mit Baseballcap, hatte ein kleines Deutschlandfähnchen an der Mauer angebracht. Als er es wieder abnimmt, ist es völlig durchnässt und eingeweicht. „Siehste, Deutschland ist kaputt“, sagt seine Begleiterin, lächelnd und resignierend zugleich. Einen Augenblick später schnappe ich ein weiteres Gespräch auf. „Solange wir keinen Friedensvertrag haben, haben wir keine Chance. Deutschland hat keinen Friedensvertrag.“ Ich tausche einen vielsagenden Blick mit dem Mann aus, der diese Worte in den Raum stellt. Wie gesagt, man versteht sich hier auch ohne viele Worte.

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Bald darauf eskortiert uns die Polizei zum Bahnsteig. Es ist wie ein Spießrutenlauf, von allen Seiten fallen böswillige Bemerkungen. Als Faschisten und Nazis werden wir gebrandmarkt. Einige der Anti-Merkel-Demonstranten haben ihr Gesicht verhüllt. Sie haben Angst davor, erkannt zu werden. Tatsächlich werden Fotos gemacht, und obwohl es mir unangenehm ist, widerstehe ich dem Impuls, mein Gesicht tief in der Jacke zu vergraben. „Wir kommen wieder“, beginnen einige Patrioten trotzig zu skandieren. „In die Kiste kommt ihr!“, ist die Antwort eines couragierten Bürgers im „Kampf gegen Rechts“. Die BRD-Medien haben in Hamburg offensichtlich ganze Arbeit geleistet.

Trotz meinem Unbehagen verzichte ich darauf, den Sonderzug zu nehmen. Nehme stattdessen gleich die S-Bahn nach Blankenese. Es dauert nicht sehr lange, und mir fällt wieder auf, wie schön bunt Hamburg schon ist. Die Frage, ob die laufende Umvolkung unserer Nation überhaupt noch einmal umkehrbar ist, lässt sich selbst mit viel Phantasie nicht günstig beantworten. Mir kommt die Frau in den Sinn, die das durchnässte Deutschlandfähnchen kommentierte: Deutschland ist kaputt.

1 Kommentar

  1. Guter Text von Dir! Friedvoll weiter so!
    Frage: Wo kann man Infos über die Montags-Demos in HH einholen (habe kein Facebook)
    und findet jetzt am Ostermontag etwas in HH statt?

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