Identitäre Bewegung: Ein Interview

Masseneinwanderung, Islamisierung, Umvolkung: Zu den wenigen Gruppen und Vereinen, die sich gegen die alles überschattende Migrationspolitik der europäischen Funktionseliten zur Wehr setzen, zählt die Identitäre Bewegung. Ihr Motto lautet: Heimat, Freiheit, Tradition. 

Identitäre Bewegung in Deutschland

Die Aktivisten der IB fordern sichere Grenzen und Remigration, eine offene Debatte über Identität, und letztlich die Verteidigung des Eigenen. Im Jahr 2014 wurde die Identitäre Bewegung Deutschland gegründet. Mittlerweile ist die IB im ganzen Bundesgebiet aktiv, in vielen Großstädten haben sich Ortsgruppen gebildet. Mit spektakulären Aktionen, wie der Besteigung des Brandenburger Tores, oder der “Defend Europe”-Mission, konnte man zudem landesweit auf sich aufmerksam machen.

Es darf nicht verwundern, dass die Identitäre Bewegung von systemkonformen Experten, Politologen und Wissenschaftlern als rechtsextremistisch eingeschätzt wird. Ein Beispiel für den “Extremismus” der IB: Bei einer Aktion in Leipzig, warfen Aktivisten in einer großen Einkaufpassage tausende Papierschnipsel mit dem Hashtag #Remigration unter die Passanten. Wenn es nach Typen wie dem Sozialwissenschaftler Alexander Häusler vom Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus der FH Düsseldorf geht, will die Identitäre Bewegung jedoch „den Rassismus modern und hip machen“ und die Jugend mit „nationalistischen und rassistischen Kampagnen“ ansprechen.

Coriolan ist es gelungen, Johannes Konstantin Poensgen für ein Interview zu gewinnen. Poensgen ist der Ortsgruppenleiter der Identitären Bewegung in Trier, und gehört außerdem zum festen Autorenstamm der Sezession und der Blauen Narzisse.

„In der Uni mit einem Ernst-Jünger T-Shirt“

Coriolan: Du bist in Trier der Ortsgruppenleiter der Identitären Bewegung. Wie kam es dazu und was treibt Dich an?

J. K. Poensgen: Ich kam im Jahr 2016 zur Identitären Bewegung, weil ich in der Uni mit einem Ernst-Jünger T-Shirt herumlief und daraufhin im Bus von einem Aktivisten angesprochen wurde. Ich hatte damals schon eine dreijährige Vorgeschichte als Autor für verschiedene rechte Publikationen und bin vor allem deshalb beigetreten, weil ich das intellektuelle Kritisieren von der Seitenlinie aus, für mich persönlich nicht mehr für statthaft hielt.

Wie ich Ortsgruppenleiter wurde, ist eine weniger schöne Geschichte, die ich hier auch nicht zur Gänze erzählen kann. Es muß genügen, daß mein Vorgänger, der Gründer unserer Ortsgruppe, wegen seines Aktivismus schwere familiäre Auseinandersetzungen bekam und sich daraufhin entschloß seinen Aktivismus erst einmal zurückzustellen.

Coriolan: In der demokratischen Medienlandschaft wird die Identitäre Bewegung grundsätzlich dem „Rechtsextremismus” zugeordnet, und die Mitglieder der IB werden als „Nazi-Hipster” bezeichnet. Passt diese Etikettierung?

J. K. Poensgen: Wir sind Null Prozent Hipster.

„Recht ist eine ordnende Sozialstruktur“

Coriolan: Stimmt es, dass die Identitäre Bewegung grundlegende demokratische Prinzipien wie Pluralismus, Gleichberechtigung, und die Menschenrechte ablehnt?

J. K. Poensgen: Wenn Lieschen Müller „Pluralismus” hört, dann hält sie es für gleichbedeutend mit Meinungsfreiheit. In diesem Sinne zählen wir Identitäre zu den wichtigsten Unterstützern des Pluralismus.

Linke Akademiker meinen mit Pluralismus aber die Gleichwertigkeit jeder nur immer gearteten Gruppierung und Identifikation. Außer natürlich derjenigen, die ihnen nicht ins Dekor passen. Die Homosexuellenszene und der Islam sind in diesem Sprachgebrauch legitime Teile der pluralistischen Gesellschaft, das deutsche Volk nicht.

Gleichberechtigung ist inzwischen zu einer Anspruchsfloskel verkommen, mit denen die Linke das Recht aushöhlt. Recht ist eine ordnende Sozialstruktur. Ihr Sinn besteht darin, jedem das Seine zuzuweisen, nicht jedem das Gleiche. Das Gleiche hat gleich behandelt zu werden, das Ungleiche aber ungleich.

Und wenn ein normaler Mensch von Menschenrechten hört, dann denkt er etwa an das Folterverbot. Wenn Linke von Menschenrechten sprechen, dann meinen sie aber nicht die allgemeine Erklärung der Menschenrechte (an die sich allerdings auch nur eine kleine Minderheit der Unterzeichnerstaaten hält) sondern den Anspruch der ganzen Welt auf die Leistungen des deutschen Staates.

Wir können aber gerne über grundlegende demokratische Prinzipien sprechen. Wie wäre es damit, daß zur Demokratie ein Demos gehört, der tatsächlich existiert und nicht zum dekonstruieren da ist?

„Natürlich hat das Wort „Demokratie” heute einen starken Fetischcharakter und jeder ist Demokrat, aber gerade deshalb darf man die Definition solcher Begriffe nicht den Hofschranzen des Globalismus überlassen.“

Coriolan: Hier reden wir über Schulbuchweisheiten. Was aber, wenn diese offizielle Auslegung nur eine schöne Maske ist? Manche meinen, dass es bei der neuzeitlichen Demokratie in erster Linie darum geht, jeden Anflug nationaler Souveränität zu zerstören, ein System der Geldherrschaft zu errichten, und ganze Völker mitsamt Sprache und Kultur auszurotten. Ist ein solches Demokratieverständnis, gemessen an der Realität, vollkommen abwegig?

J. K. Poensgen: Nein, wir reden hier nicht über eine Schulbuchweisheit. Das ist ja das Problem. Wenn du einmal die Demokratietheoretiker an heutigen Universitäten durchliest, dann ist das alles ein einziger absurder Versuch eine Demokratie ohne Volk zu konstruieren. Nach Ansicht dieser Leute, zeichnet den guten Demokraten gerade der Glaube aus, daß es das Volk gar nicht gäbe.

Natürlich hat das Wort „Demokratie” heute einen starken Fetischcharakter und jeder ist Demokrat, aber gerade deshalb darf man die Definition solcher Begriffe nicht den Hofschranzen des Globalismus überlassen.

„Die Freiheitsstatue versinnbildlicht sehr gut das Verhältnis Amerikas zum Multikulturalismus.“

Coriolan: Wenn es um kulturelle Identität und Überfremdung geht, begehren die Identitären in erster Linie gegen die sogenannte Islamisierung auf. Wie aber steht man bei der IB zu der in Europa weit fortgeschrittenen Amerikanisierung?

J. K. Poensgen: Die rechte Internetkultur hat den früheren Antiamerikanismus der europäischen Rechten zum Glück weitestgehend zurückgedrängt, vor allem unter der Jugend. Unter Konservativen war früher ja die Idee populär, daß wir immer noch zu Mozarts Zeiten leben würden, wenn nur der amerikanische Schund nicht wäre.

Emmanuel J. Reichenberger
Emmanuel Reichenberger
Coriolan: In dem Buch “Wider Willkür und Machtrausch”, zitierte Emmanuel J. Reichenberger einen Freund, der die Amerikanisierung folgendermaßen beschrieb: “Die Amerika als Schmelztiegel bezeichnen, wollen damit aussagen, daß dieses seltsame Land alle und jede fremde nationale Art wie in einem Schmelzofen auflöst, zerschlägt, zerstückelt und vernichtet. Nichts darf mehr davon übrig bleiben, alles Eigenständige, Originelle muß aufhören. An seiner Stelle tritt ein Fertigprodukt, das man ‘amerikanische Art’ nennt…” Im Gegensatz dazu, haben wir in Europa tatsächlich ein kulturelles Fundament, das unzählige geniale Schöpfer, wie auch den von Dir angesprochenen Mozart, hervorgebracht hat. Ist es da für einen Identitären nicht sinnvoll, sich bedingungslos zu diesen Wurzeln zu bekennen, und alles Amerikanische höchstens unter Vorbehalt zu genießen?

J. K. Poensgen: Die Idee vom „Melting Pot” ist ja keineswegs der Gründungsmythos der Vereinigten Staaten, sondern etwas, das später zur Rechtfertigung des Multikulturalismus erfunden wurde.

Die Freiheitsstatue versinnbildlicht sehr gut das Verhältnis Amerikas zum Multikulturalismus. Die Statue selbst versinnbildlicht das republikanische Freiheitsideal. Davon mag man halten, was man will, aber es ist eine der europäischsten Ideen überhaupt. Das kann keiner bestreiten. Erst später wurde dieser berühmte Knüttelvers, man möge Amerika doch bitte die dreckigen Massen der Welt schicken, unter der Freiheitsstatue angebracht.

Multikultureller Zivilnationalismus ist auch nicht auf Amerika beschränkt. In Frankreich verkaufen die Multikultis das droit du sol, das jus soli, als echt französisch. Nicht zu glauben, daß ein in Marseille geborener Algerier kein echter Franzose ist, ist also unfranzösisch.

In Britannien versucht man mit der „britishness” und „british values” einen ähnlichen Propagandastunt durchzuziehen. Das wir so was in Deutschland nur begrenzt kennen, liegt nur daran, daß die Bundesrepublik kaum eine patriotische Tradition hat.

Aber grundsätzlich ist es doch weder politisch, noch kulturell sinnvoll, die Europäer in Übersee, seien das nun US-Amerikaner, Kanadier, Australier, Neuseeländer oder Buren, aus unserem Kulturkreis herausdefinieren zu wollen.

„Wir sind gegen die Demokratie, aber für die richtige Demokratie, also die andere Demokratie, die wir aber nicht Demokratie nennen?” Das ist doch Unfug.

Coriolan: Vom letzten deutschen Reichskanzler stammt die Feststellung: „Hinter der Demokratie steht in Wirklichkeit die Völkerbeherrschung im Großen und die Menschenunterdrückung und Knebelung im Einzelnen.” Ist da etwas Wahres dran, oder kann man das einfach als plumpe Nazipropaganda abtun?

J. K. Poensgen: Lustige Aussage von jemandem, der seine Legitimität auf die Begeisterung der Massen gebaut hatte.

Patrick Buisson
Patrick Buisson
Coriolan: Nehmen wir ein anderes Beispiel. Der Journalist und Politologe Partrick Buisson, der Nicolas Sarkozy als Berater und Wahlkampfstratege zur Präsidentschaft verhalf, veröffentlichte 2016 das Buch “La Cause du peuple” (Die Sache des Volkes). Eine Kapitelüberschrift in dem Werk lautet: Un « kratos » sans « dèmos » (S. 761). Auf gut Deutsch “Herrschaft ohne Volk”. Ist das nicht eine absolut zutreffende Definition der real existierenden Demokratie?

J. K. Poensgen: Das ist eine absolut zutreffende Definition des real existierenden Globalismus. Ich sehe immer noch nicht, warum die Identitäre Bewegung deshalb irgendwelche semantischen Streitereien über das Wort Demokratie vom Zaun brechen sollte.

„Wir sind gegen die Demokratie, aber für die richtige Demokratie, also die andere Demokratie, die wir aber nicht Demokratie nennen?” Das ist doch Unfug.

„Faule Äpfel aller Art“

Coriolan: Die Neue Rechte, zu der auch die Identitäre Bewegung gehört, versucht sich streng von den alten Rechten – wie z.B. den Funktionären der NPD – abzugrenzen. Geschieht das aus echter Überzeugung, oder ist das eine Hygiene-Taktik, um breitere Schichten in der Bevölkerung, beziehungsweise Jugendliche, besser anzusprechen?

J. K. Poensgen: Wenn schon eine Hygiene-Strategie und ich wüßte nicht, was schlecht daran wäre. Hygiene dient allerdings nur mittelbar dazu, jemanden anzusprechen, sondern dazu, bestimmte Leute fernzuhalten.

Wer altrechte Vereine einmal kennengelernt hat weiß, daß sie ein riesiges Problem mit faulen Äpfeln aller Art haben. Ich meine nicht nur V-Leute, sondern auch Wirrköpfe, die jeden, der es nicht hören will mit ihrem Müll vollquatschen und Gestalten, deren Verhalten spätestens nach dem dritten Bier nicht mehr tragbar ist.

Wir wollen auch keine Leute, die das Bedürfnis haben, der ganzen Welt ihre Dissidenz ins Gesicht zu rotzen. Ein gewisses Abgrenzungsbedürfnis haben wir ja alle. Aber in der altrechten Szene gibt es zu viele, die sich besonders toll vorkommen, wenn sie mit SS-Totenköpfen und ähnlichem dekoriert durch die Gegend laufen. Ich habe solche Fälle erlebt und verwundert feststellen müssen, daß es Menschen gibt, die wirklich nicht verstehen, warum das keine gute Idee ist.

Solche Gestalten ruinieren nicht nur das Außenbild, sie sind vor allem auch Spezialisten darin, jede Organisation zu zersetzen, ob sie das wollen oder nicht.

Als in der Bundesrepublik und Österreich Identitäre Bewegungen gegründet wurden, war es das erste Etappenziel, diese Leute fernzuhalten, die sich damals gerne die identitäre Marke unter den Nagel gerissen hätten um darunter ihren Zirkus zu veranstalten. Die schlimmsten Irren halten uns inzwischen zum Glück für gesteuerte Opposition, von Freimaurern oder Reptiloiden kontrolliert und bleiben so von sich aus fern.

Grundsätzlich gilt immer: Ein Idiot kann dir die ganze Gruppe zerstören. Es ist immer einfach zu sagen: „Der da ist doch im Grunde ein anständiger Kerl, der ist halt nur manchmal (…)”, wenn man selber Arbeit in den Aufbau einer Gruppe gesteckt hat, fängt man an das anders zu sehen.

„Ich denke, daß das österreichische Verfahren auf jeden Fall Vorbildwirkung haben wird.“

Coriolan: Derzeit müssen sich in Österreich einige Mitglieder der IB vor Gericht wegen „Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung” verantworten, darunter auch Martin Sellner, der populärste Vertreter der Identitären Bewegung im deutschsprachigen Raum. Was denkst Du, wird bei dem Verfahren rauskommen, und befürchtest Du, dass es Dir bald ähnlich ergehen könnte?

J. K. Poensgen: Wie der Prozeß in Österreich ausgehen wird, kann ich nicht sagen. Dafür kenne ich mich viel zu schlecht mit der dortigen Justiz aus. Was die Bundesrepublik anbelangt, denke ich, daß das österreichische Verfahren auf jeden Fall Vorbildwirkung haben wird. Wenn die Identitäre Bewegung Österreich zur kriminellen Organisation erklärt wird, wird man versuchen das hier zu wiederholen.

Coriolan: Zu guter Letzt: Was sollte man als Interessierter mitbringen, um ein aktives Mitglied der Identitären Bewegung zu werden?

J. K. Poensgen: Frustrationstoleranz, die Fähigkeit weitermachen zu können, da scheidet sich die Spreu vom Weizen. Interessenten kennen ja in der Regel nur die aufsehenerregenden Erfolge. Die Besteigung des Brandenburger Tors, die Defend-Europe-Missionen etc. Vielleicht auch eine lokal bekannt gewordene Aktion der örtlichen Gruppe. Von der Arbeit und den Enttäuschungen haben sie nichts mitgekriegt. Die gehören aber genauso dazu.

Coriolan: Vielen Dank für das Interview.

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