Höcke, Shapira, und die Ehre

Kontroverse Meinungen zum Thema Holocaust sind in der Bundesrepublik Deutschland Blasphemie. Dafür hat der als Neonazi gebrandmarkte Björn Höcke unfreiwillig einen weiteren Beweis geliefert, bedingt durch seine Aussagen über die deutsche Erinnerungskultur.

Denkmal der Schande

Zehn Monate ist es nun her, dass der AfD-Politiker Höcke das Berliner Holocaust-Denkmal in einer Rede als Denkmal der Schande bezeichnete. Eingebracht hat ihm diese blasphemische Aussage “eine herrliche Bestrafung” durch das “Zentrum für politische Schönheit”, so Mitinitiatorin Lea Rosh.

Aktivisten mit “Zivilcourage” mieteten dafür unter Leitung des Aktionskünstlers Philip Ruch das Nachbarhaus der Familie Höcke an. Anschließend spionierten sie den Frevler und seine Familie über Monate hinweg aus. Man forderte schließlich mit einem Nachbau des Berliner Holocaust-Denkmals, insgesamt 24 Stelen umfassend, einen Kniefall vom AfD-Landeschef ein. Höcke hat den Holocaust weder geleugnet, noch angezweifelt. Seine Sünde fasst der Rabbiner Andreas Nachama zusammen:

Was Religionsgegner, Antisemiten oder andere über Bibel, Talmud und andere elementare Schriften auch immer schreiben mögen: Grenzen setzt unter anderem das Strafgesetzbuch, das Strafen für den Fall vorsieht, dass jemand »den öffentlichen Frieden« gefährdet, indem er die religiösen Bekenntnisse anderer beschimpft. – Glauben ohne Zwang

Das Holocaust-Mahnmal in Berlin ist zweifellos ein religiöses Bekenntnis und Höcke hat es in der Öffentlichkeit entweiht. Dabei ist es unerheblich, dass der SPIEGEL-Gründer Rudolf Augstein schon vor vielen Jahren ähnliche Worte fand, ein “Schandmal” befürchtend. Einem “Rechtspopulisten” in der BRD steht es grundsätzlich nicht zu, zum Holocaust Stellung zu beziehen. Selbst vorauseilende Glaubensbekenntnisse und die freiwillige Teilnahme an den Erinnerungszeremonien, finden in den seltensten Fällen eine Würdigung.  

Shapira und die Ehre

Bei der Strafaktion gegen Björn Höcke gehörte der Werbetexter, Musikproduzent und Internet-Profi Shahak Shapira zu den ersten Gratulanten. Shapira treibt vor allem auf Twitter sein Unwesen, wo er es innerhalb weniger Jahre mit seinen Provokationen und satirischen Kommentaren auf über 100.000 Follower schaffte.

Er selbst versteht sich als mutiger Streiter gegen Faschismus und Antisemitismus, darum machte er bei Twitter keinen Hehl aus seiner Freude über die Aktion gegen Höcke. Wer genau hinsah, hätte aber in der darauf folgenden Diskussion bemerken können, wie leicht es ist, Menschen wie Shapira den Spiegel vorzuhalten.

Effektiver Beitrag gegen Neonazis

Der Komödiant Shapira gab dort ganz unfreiwillig die Ulknummer zum Fremdschämen. Der anonyme Twitter-User “ViceyVinenacht” führte ihn geschickt vor. Glasklar hat er den “Antirassisten” selbst des Rassismus und des Nationalismus überführt. Shapira wollte von seinem Gegenüber wissen, ob er Deutscher ist, um ihn mit in die Kollektivhaftung für den Holocaust nehmen zu können. Und wie “ViceyVinenacht” richtig schlussfolgerte, geht es Menschen wie Shapira nur um Sonderrechte und Macht. Diese Erkenntnis ist der Schlüssel zur richtigen Betrachtung der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. Schade, dass so wenige Menschen diesen Dialog verfolgt haben, denn für den “Ehrenmann” Shapira blieb das peinliche Verhalten ohne Konsequenzen bei seinen Followern.

Denkmal wird geschlossen

Unterdessen konnte sich die bundesdeutsche Obrigkeit immerhin am 24.11.2017 dazu durchringen, das Denkmal vor dem Haus von Björn Höcke schließen zu lassen. Es folgte ein Gerichtsbeschluss, der dem Leiter des Zentrums für politische Schönheit untersagt, sich dem Wohnhaus der Höckes auf weniger als 500 Meter zu nähern. Der besagte Phillip Ruch erhob sogleich Einspruch. Hurra, der Rechtsstaat funktioniert.

Der beurlaubte Gymnasiallehrer Höcke hat die Aktivisten in der Zwischenzeit auf einer Konferenz als “Terroristen” bezeichnet:

„Wer so etwas tut, ist in meinen Augen ein Terrorist.“ Höcke nennt Mahnmal-Aktivisten „Terroristen“

Dabei stellt sich die Frage, wie die besagten Aktionskünstler reagierten, sähen sie sich mit einer ähnlichen Bestrafungsaktion konfrontiert. Bis zuletzt drohte man damit, die Aktion solange fortzusetzen, bis Björn Höcke vor einem der Holocaust-Denkmäler einen Kniefall macht. Über ein Crowdfunding sammelte man über 90.000 € ein, um das Grundstück gegenüber den Höckes bis mindestens 2019 nutzen zu können.

Shapiras Verfolgungswahn

Männer, die wie Björn Höcke mit blasphemischen Aussagen über den Holocaust auffallen, sind gleich doppelt gefährlich. Sie bedrohen nicht nur die Diskursherrschaft der Etablierten, sondern auch das Selbstverständnis der Gesinnungswächter. Für manche Leute werden Politiker wie Höcke sogar zur Projektionsfläche.

Unlängst geriet Internet-Profi Shapira so mit dem Rapper Fler aneinander. Bestenfalls kann man es als Verfolgungswahn bezeichnen, wenn Shapira diesen Burschen mit Björn Höcke vergleicht:

http://www.rapupdate.de/es-gibt-mal-wieder-stress-fler-kuendigt-an-eine-tour-besuchen-zu-wollen/

Fler fällt schon seit vielen Jahren durch politisch unkorrekte Aussagen auf. Es ist aber, wie bei Björn Höcke, nahezu absurd, einen Mann mit seinem Werdegang in die ausländerfeindliche oder gar judenfeindliche Ecke zu stellen.

Unabhängig davon was Fler genau sagte, war der Satiriker Shapira sich nicht zu blöd, diesen abenteuerlichen Vergleich zwischen einem Lehrer und einem Rapper herzustellen. Indes zeigt sich daran nur das stark vereinfachte Weltbild dieses Mannes. Er lässt keine Gelegenheit aus, um Deutschland und das deutsche Volk zu verunglimpfen. Der gesamte Werdegang des Mannes ist auf dem Mythos Holocaust und auf Deutschenfeindlichkeit aufgebaut. Er selbst ist immer Opfer, nicht der Täter.

Ehre wem Ehre gebührt

Man kann über die Aussagen eines Björn Höcke geteilter Meinung sein, nicht über seine Haltung. Es erfordert in der Bundesrepublik den höchsten Mut, die allseits bekannten Dogmen und Tabus in Frage zu stellen. Wie sehr man dann unter Ausgrenzung, gesellschaftlichem Ausschluss und ständiger Diffamierung zu leiden hat, sollte sich jeder Bundesdeutsche unbedingt bewusst machen. 

Was hat hingegen ein Shahak Shapira für seinen “mutigen” Kampf gegen Andersdenkende zu befürchten? Nichts.

Vergleicht man nun den Internet-Profi Shapira und den Politiker Björn Höcke, kann ich bei Coriolan nur feststellen: Ehre wem Ehre gebührt.

2 Kommentare

  1. Es erfordert keinen Mut so etwas abzulassen, wie der Herr Höcke dies tut. A 55 GG ist meist bei ihm, also braucht es keinen Mut. Da ist der Mut dort gefunden worden, wo die Helden des überschäumenden Nationalismus sich auf die Schenkel klopfen.

    Jeder kann eine Aufstellung zu einem Denkmal haben. Das ist ja eine Aufgabe eines Denkmals. Wie sich derjenige dem Denkmal gegenüber aufstellt, zeigt wessen Geistes Kind er ist. A 5 GG verhilft mir meine Meinung zu artikulieren, dass da nur Geistlosigkeit und Hinterfotzigkeit bei der Äußerung zu erkennen ist.

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