Giovanni Bottesini und der Kontrabass

Goivanni Bottesini, der große Kontrabass-Virtouse. Womöglich der größte seiner Zeit – bis in die Gegenwart. Ihm eine Würdigung, da sich sein Todestag in wenigen Tagen wieder jährt. Geboren am 22. Dezember 1821 im italienischen Städtchen Crema, starb Giovanni Bottesini nach einem wahrlich erfüllten Leben am 7. Juli 1889 in Parma, der Heimatstadt von Guiseppe Verdi.

Nicht Wunderkind, sondern Spätzünder

Wenngleich es über seine Kindheit keine genauen Angaben gibt, und diese später etwas verklärt wurde, kann man sicher davon ausgehen, dass er einer sehr musikalischen Familie entstammte und so schon im frühen Kindesalter mit der Musik in Berührung kam. Bottesini galt nicht als Wunderkind, im Hinblick auf sein Instrument vielmehr als Spätzünder.

Als er mit 14 Jahren von seinem Vater auf das Musik-Konservatorium zu Mailand geschickt wurde, gab es in jenen Tagen nur noch freie Studienplätze für den Kontrabass und das Fagott. Der junge Bottesini wählte also die Bassgeige, und bereitete sich alsbald auf eine Prüfung vor, um bei dem Kontrabass-Professor Luigi Rossi studieren zu können. Es ist schwer zu sagen, ob er zu dieser Zeit schon sein Talent zeigen konnte, doch stammt aus diesen Tagen eine Anekdote, die sich bis heute als geflügeltes Wort in der Kontrabass-Szene hält. So soll er die Jury nach seinem Vorspiel wie folgt überzeugt haben:

“Sento o Signori, di stonare, ma quando saprò dove posare le dita, allora non stonerò più!”

( „Ich bedaure, meine Herren, so falsch gespielt zu haben, aber wenn ich erst einmal weiss, wohin ich meine Finger setzen muss, wird mir das nicht mehr passieren!“ )

Clevere Investition: Der Testore-Bass

Hieran sollte man seinen großen Ehrgeiz erkennen; er wurde natürlich aufgenommen. Schon bald startete er eine unvergleichliche Karriere, die ihn später in weiten Teilen der Welt berühmt machen sollte. Er beendete den auf sechs Jahre angelegten Pflichtkurs an der Mailänder Musikschule in nur vier Jahren und erhielt für seine außergewöhnlichen Leistungen ein stattliches Preisgeld, welches er sehr clever investierte.

Mit einem Teil des Geldes kaufte sich der junge Mann den bis heute sagenumwobenen Testore-Bass, von Carlo Antonio Testore im Jahre 1716 angefertigt. Heute besitzt ein Sammler in Japan dieses legendäre Instrument. Laut Bottesinis eigener Aussage, fand er die Bassgeige in einem verstaubten alten Theater und er erstand sie für den Spottpreis von 900 Lire.

Bottesini und sein Testore-Bass

Erste Erfolge im Ausland

Damals hatte ein Kontrabass übrigens zumeist noch drei Saiten, so auch sein Testore-Bass. Dazu gleich mehr. Nun aber hatte Bottesini als junger Musiker alles was er benötigte: Seine Ausbildung und ein Instrument, das er nie wieder hergab. Zu dieser Zeit hatten italienische Musiker sowieso in ganz Europa gute Karten und Bottesini startete alsbald seine ersten Reisen. Sie führten ihn bis nach Österreich, wo er überwiegend mit Solo-Konzerten zu bewundern war. Schnell wurde er zu einem gefeierten Virtuosen, bis er vorläufig in seine Heimat zurückkehrte, um auch als Orchesterspieler Erfahrungen zu sammeln.

In den Jahren 1845/1846 lernte Bottesini dann in Venedig Guiseppe Verdi kennen. Zwischen den beiden Männern entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft. Für Verdi musste er später eine vierte Saite auf seinen Testore-Bass spannen lassen, und zwar für das berühmte Solo im vierten Akt der Oper „Otello“Verdi setzte diesbezüglich großes Vertrauen in Bottesini, was auch aus einem Briefwechsel der beiden Männer hervorgeht.

Ein Kontrabassist auf Welttournee

Die Wege von Verdi und Bottesini trennten sich bald wieder, denn Bottesini hielt es wohl nie lange an einem Ort aus. Er profitierte dabei von der schnell wachsenden Mobilität jener Tage, er reiste viel mit der Bahn und mit Ozeandampfern. Schon bald verschlug es ihn bis nach Kuba, wo er eine äußerst erfolgreiche Zeit erlebte. Er schrieb dort auch eigene Opern ( z. B. Cristoforo Colombo ) und leitete das Teatro Imperial in Havanna.

Der Korrespondent der Gazzetta Musicale di Milano berichtete am 23. September 1847 über die Erfolge seines Landsmanns in Kuba:

„Wenn der Impresario des Theaters von Havanna ein volles Haus haben wollte, brauchte er nur anzukündigen, dass Bottesini ein Konzert gibt.“

In den Pausen der Konzertabende, begeisterte der Dirigent das Publikum mit gefeierten Solo-Einlagen, was er sich in der Folge zur Gewohnheit machte. Dazu eine witzige Karikatur aus dem Jahre 1850:

Bottesini Cartoon

Internationaler “Superstar”

Es folgten Aufenthalte und Konzertreisen in die USA und Mexiko. Später gastierte der Kontrabass-Meister in Paris. Man kann wohl ohne weiteres behaupten, dass Bottesini einer der ersten globalen „Superstars“ der Musikgeschichte war. Den aufwendigen und kostspieligen Lebenswandel, der dazugehört, führte er jedenfalls. Das gereichte seinem Freund Verdi zur Mahnung:

„Guadagnate molti rubli, teneteli da conto, pensate alla vecchiaia!!!“

( „Verdienen Sie weiterhin viele Rubel, aber bewahren Sie sie auch auf, denken Sie an das Alter!!!“ )

Es war dann auch der Großmeister Verdi, der seinem Freund eine Anstellung in Kairo vermittelte, wo Bottesini am 24. Dezember 1871 im Khedivial-Opernhaus die Uraufführung von „Aida“ dirigierte. Damals ohne Zensur versteht sich. Mit dieser Verdi-Oper wird Bottesini noch heute in Verbindung gebracht. Bottesini und Verdi standen in jenen Tagen nur in schriftlichem Kontakt, aus ihren Briefen geht jedoch einwandfrei hervor, wie stark die Verbindung zwischen den beiden Männern war. Von Genua aus schrieb Verdi ihm in Erwartung der Premiere das Folgende:

„Carissimo Bottesini! Ti sono ben grato di avermi dato notizie delle prime prove d’Aida e spero, che me ne darai altre quando sarai in orchestra, e più mi darai anche notizie esatte, sincere, vere, dell’esito della prima sera…“

( „Lieber Bottesini! Ich bin Dir sehr dankbar, dass Du mir Nachricht über die ersten Proben zur „Aida“ gegeben hast, und ich hoffe, dass Du weitere schicken wirst, wenn Du mit dem Orchester geprobt hast. Ausserdem bitte ich Dich um genaue, aufrichtige und wahre Nachricht über den Erfolg des ersten Abends.“ )

Von Kairo zurück in die Heimat

Nach dem Erfolg mit „Aida“ blieb Bottesini noch viele Jahre in Kairo. Es wurde seine langfristigste Anstellung, bevor er dann im gesetztem Alter das Reisen langsam einschränken musste und seine unvergleichliche Karriere in seiner Heimat ausklingen ließ. Dort scheute er sich nicht, sich abermals von seinem noch berühmteren Freund aushelfen zu lassen, der ihm eine Anstellung als Direktor des Regio Conservatorio di Parma verschaffte. Er arbeitete nebenher noch als Lehrer, führte für die damalige Zeit neue Unterrichtsmethoden ein, bevor er dann schließlich, noch vor seinem älteren Freund Guiseppe Verdi, nach einem schweren, aber zügigen Krankheitsverlauf verstarb. Er wurde in unmittelbarer Nähe zu seinem großen Vorbild Paganini beerdigt und zwar hier.

Es gäbe noch viel mehr über diesen großartigen Kontrabass-Virtousen, Dirigenten und Komponisten zu berichten, diese Kurzbiographie dient als grober Überblick. Wer sich noch genauer mit Giovanni Bottesini beschäftigen möchte, ist mit dieser ausführlichen Biografie gut bedient.

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