Deutschlands Amerikanisierung

Amerikanisierung

Es wäre die Aufgabe eines Professors, um Deutschlands Amerikanisierung einer profunden Analyse zu unterziehen. Tatsache ist, daß ein Leben ohne den seelischen und geistigen Bezug zum Amerikanischen, in “Germany” höchst selten geworden ist.

Deutschlands Amerikanisierung von A – Z

Mit banalen Sachen fängt es an, etwa Rockmusik, und es endet damit, daß noch heute im Jahre 2019, das heißt 74 Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht, wie selbstverständlich amerikanische Streitkräfte in Deutschland stationiert sind. Dabei ist das nur die Spitze des Eisbergs. Wer genauer hinsieht, wird rasch bemerken, wie stark sich die Amerikanisierung in Deutschland auf jeden einzelnen Volksdeutschen auswirkt. Mit allen Sinnen sind gewöhnliche Bundesbürger auf die Werteordnung der USA eingestellt. Außerdem bezieht man in den allermeisten Fällen zudem einen Großteil dessen aus Übersee, was man zur Unterhaltung konsumiert. Sei es durch Filme, Serien, Sex, Sport oder Musik.

Für sich allein genommen, wäre das kein großes Problem. Den Deutschen fehlt jedoch das Bewusstsein dafür, unter dem erdrückenden Einfluss einer anderen Kultur zu stehen. Durch die Lupe betrachtet, wird man erkennen müssen, daß die sogenannte “Re-Education” in der Bundesrepublik auf ganzer Linie Erfolg zeitigte. Deutschlands Amerikanisierung: Mission accomplished. Von A – Z:

A wie Apple:

Die amerikanische Elektronik-Weltmarke Apple, steht in Deutschland für höchste Qualität, und das jeweils neueste “I-Phone” kann durchaus als Statussymbol verstanden werden. Weitere I-Produkte, wie etwa das “I-Pad” und der “I-Pod” sorgen dafür, daß Apple in der deutschen Wahrnehmung dauerpräsent ist.

B wie Burger:

Fleischpaste, etwas Gurke und Zwiebel mit Ketchup und Senf, zwischen zwei läppische Brötchenhälften gequetscht. Wer kennt sie nicht, die Hamburger? McDonalds und Burger King stehen mustergültig für die Amerikanisierung in Deutschland.

Burger Beispiel

Was mit Fastfood-Ketten begann, führte mittlerweile zu einem flächendeckenden Angebot des amerikanischen Exportschlagers. Man bekommt die Zutaten extra zugefertigt im Discounter, gehobene Burger-Restaurants schießen wie Pilze aus dem Boden. Und zu allem Überfluss bieten mittlerweile sogar Pizzalieferdienste das amerikanische Schnellfutter an.

C wie Cool:

In Anbetracht dessen, wie selbstverständlich das englische Wort für ‘kühl’ Einzug in die deutsche Umgangssprache hielt, lässt es sich ohne weiteres ins Komparativ und Superlativ steigern, ohne daß es jüngeren Zeitgenossen seltsam erschiene. Am “coolsten” ist, wenn man auch Dinge benennt, die “uncool” sind.

D wie Dance:

Der Tanz gehört zu den wichtigsten Merkmalen einer Volkspersönlichkeit. Und gerade die Deutschen verfügen prinzipiell über eine breite Palette an einheimischen Tänzen. Leider sind die meisten davon aus der Mode geraten. Bestenfalls pflegen Volkstänze heute ein Nischendasein in der Folklore. Erfolgreich sind dagegen Dance-Veranstaltungen, so wie “Let’s Dance” bei RTL.

E wie Event:

Was heißt Veranstaltungen, um nicht falsch verstanden zu werden, gemeint waren natürlich: Events. Die Unterhaltung betreffend, gibt es wenig Bereiche, die von dem Begriff “Event” verschont blieben. Bei gelungenen Events, spricht der nichtewiggestrige Bundesbürger auch schon ganz gern von einem “Happening”. Wer benötigt da noch das altmodische Ereignis?

F wie Fernsehen:

Das Fernsehen ist hauptverantwortlich dafür gewesen, in der deutschen Bevölkerung eine breite Akzeptanz von amerkanischen Wertevorstellungen zu schaffen. Amerikanische Produktionen bestimmen seit Jahrzehnten das Tagesprogramm. Die über den gesamten Zeitraum der Besatzung währende Positivdarstellung der westlichen Hegemonialmacht, hat insbesondere in West-Deutschland dafür gesorgt, daß sich die breite Masse des Volkes mit Amerika als “Großem Bruder” identifizieren kann.

G wie Graffiti:

Graffiti Beispiel Connewitz

Graffiti ist ein Musterbeispiel für Deutschlands Amerikanisierung, das nicht weiter ausgeführt werden muß. Siehe auch T wie Tatoos.

H wie Holocaust:

Erst nach Ausstrahlung einer gleichnamigen TV-Serie, setzte sich der Begriff “Holocaust” im deutschen Sprachgebrauch durch. Die amerikanischen Freunde halfen den Deutschen also offenkundig auch bei der Bewältigung ihrer Vergangenheit.

I wie Industrie:

In der Inudstrie sind Anglizismen in der Sprache mitunter am häufigsten geläufig, und man kann wohl ohne Übertreibung behaupten, daß sich die deutsche Wirtschaft zuvörderst an amerikanischen Theroriemodellen orientiert. Manager lenken die Geschicke von “Companys”, betreiben “Outsourcing” und veranstalten “Meetings”. Es mag sein, daß es noch kleine Mittelstandsbetriebe gibt, die von der Amerikanisierungswelle nicht erfasst wurden. In dieser Situation, ist man “nur” von der Amerikanisierung in Deutschland bedroht.

J wie Journaille:

Von Neutralität kann beim deutsch-demokratischen Journalismus keine Rede sein, der komplette Apparat der Berichterstattung ist proamerikanisch ausgerichtet. Das reicht von der üblichen Vasallenhaltung kleiner Redakteure, bis hin zur offenen Kollaboration von Chefredakteuren. Stellvertretend wäre Claus Kleber vom ZDF zu nennen. Daß deutsche Journalisten in amerikanischen Think-Thanks geschult werden, wird in der BRD kaum beachtet.

K wie Kino: 

Es gibt wohl keine Deutschen, an denen das Phänomen “Hollywood” spurlos vorüber gegangen ist.

L wie Loser:

Biggest Loser

Im Gegensatz zum Gewinner, wo schließlich das im Englischen verwendete “Winner” bereits enthalten ist, hat sich für den Verlierer die englische Übersetzung des Wortes weithin durchgesetzt. Schon Stephan Remmler wusste: Einer ist immer der Loser. Und einige Jährchen später, dürfen Fernsehshows wie “The biggest Loser” – ein Titel mit dem sich das deutsche Volk ob seiner Geschichte ganz nebenbei bemerkt rühmen könnte uns nicht wunder machen.

M wie Music:

Noch schlimmer als beim Tanz, hat der amerikanische Musikexport in den deutschen Landen für seelische Verwirrung gesorgt, und es ist heute keine Seltenheit, daß Deutsche mit Bach, Beethoven und Mozart überhaupt nichts mehr anfangen können, weil sie ihr Leben lang nur an amerikanische Musik gewöhnt sind. Über dieses Thema könnte man für sich ganze Bücher schreiben. Denn durch Adaptieren und Kopieren von amerikanischen Stilen, multiplizieren sich die Probleme ins Tausendfache. Das Feld, das einst Schubert, Brahms und Wagner beackerten, ist im Grunde genommen bestellt. In der Regel sind sich amerikanisierte Bundesdeutsche jedoch zu fein, um sich auf das eigene Kulturgut ohne Ressentiment einzulassen. Stattdessen lässt man sich von kommerziell-industriellem Krach und Stumpfsinn beschallen, und findet’s auch noch “cool”.

N wie News:

News

Für Neues ist sich der brave Michel zu fein. Oder er ist zu faul, weil es ihm zu lang klingt. Warum sonst sollte er den englischen Begriff für dieses Wort in vorauseilendem Gehorsam übernehmen?

O wie Online:

Das Internet hat zu einer Verschärfung der angloamerikanischen Kulturhegemonie über Deutschland geführt. Die bereitwillige und unüberdachte Übernahme von englischen Begriffen, ist hier eher die Regel denn die Ausnahme.

P wie Politiker:

Bekannt ist, daß Männer wie Adenauer und Brandt beim CIA auf der Gehaltsliste standen. Noch heute sind deutsche Politiker in transatlantischen Bünden und Vereinen, welchen Interessen diese “Volksvertreter” dienen, sollte man sich selbst zusammenreimen können. Es stellt sich im Grunde die Frage, mit wem die Amerikanisierung in der deutschen Politik  begann.

Q wie Quest:

Die Umerziehung des deutschen Volkes, das war für die englischsprachige Welt gewiss eine “Quest”. Ein Begriff, der in der amerikanisierten Welt der Computerspiele beheimatet ist.

R wie Rap:

Man schaue sich die ersten Rapvideos der “Fantastischen Vier” an, um eine Ahnung davon zu bekommen, was die Amerikanisierung in Deutschland aus jungen Burschen machte. Und die Stuttgarter Rapper waren schließlich nur der Vorläufer eines Massenphänomens, bei dem Jugendliche – der Verfasser dieser Zeilen inbegriffen – jedes Detail aus den USA adaptierten. Ähnlich wie Buschmänner früher die weißen Kolonialherren nachäfften.

S wie Simpsons:

Eine “Comic”-Fernsehserie, die Millionen von deutschen Jugendlichen prägte, wobei sich die wenigsten von ihnen über die feministische Propaganda der “Simpsons” ganz klar sein dürften. Die unterschwellige Botschaft der Zeichentrickfamilienserie: Männer und Jungen sind dumm und maßlos, die Frauen und Mädchen intelligent und sittsam. Der unreflektierte Konsum solcher Machwerke, kann nicht ohne Folgen für’s Gemüt bleiben.

T wie Tatoos:

Tatoo

Tatoos sind ein Musterbeispiel für Deutschlands Amerikanisierung, das nicht weiter ausgeführt werden muß. Siehe auch G wie Graffiti.

U wie Undankbar:

Was haben wir den Amerikanern nicht alles zu verdanken? Nachdem sie Deutschland im Zweiten Weltkrieg in Trümmer gelegt hatten, überhäuften sie uns anschließend mit ihren kulturellen Wohltaten und Belustigungen. Sogar das Wrestling fand seine Nische in Deutschland. Undank ist der Welten Lohn, das sagt man wohl nicht umsonst.

V wie Victory:

Das Victory-Handzeichen, auch als “Peace”-Zeichen bekannt, gehört in der BRD beinahe zum Alltag wie früher der Hitlergruß. Man kann diese Geste praktisch bei jeder Gelegenheit nutzen. Wer zerbricht sich heute noch den Kopf darüber, was es mit dem Zeichen auf sich hat?

Churchill Victory-Zeichen

W wie What:

Deutschland ist amerikanisiert, so what?

X wie X-Mas:

Möglicherweise die unseligste Folge der Amerikanisierung in Deutschland, die vielfach zu beobachtende Übernahme der amerikanischen Weihnachstgrüße. Nicht zuletzt CocaCola haben wir es zu verdanken, daß diese Unsitte quer durchs Land verbreitet wurde.

Y wie Yields:

Ein wichtiger Faktor in global operierenden Konzernen, mit Standort “Germany”. Gemeint sind die Erträge.

Z wie Zigarette:

Auf den Packungen steht nicht umsonst: “American Blend”, und führende Marken wie Marlboro und Camel, haben uns die Amerikaner freundlicherweise schon mitgebracht, als sie Deutschland in verschiedene Besatzungszonenen aufteilten.

Das ehemalige Reich Bismarcks

Bismarck Porträt

Bachelor, Gamer, City, Gangster, T-Shirt, Jeans, Baggy Pants, Chat, Diversity, Darkroom, Sorry, Cocktail, Party, Fighter, Champion, Refugees, Deal, Ketchup, Toast, Marketing, Coca Cola, Truck, Comedy, Comics, Pepsi, Public Relations, Shopping, Sale, Superstar, You Tube, Security; als Alternative hätte man noch unendlich viele Beispiele dafür bringen können, wie tief Amerikanisches mittlerweile in Deutschland – immerhin das ehemalige Reich Bismarcks – verwurzelt ist.

Die Frage, ob der Mann sich ob Deutschlands Amerikanisierung im Grabe rumdreht, sollte sich der Leser selbst beantworten.

Bilder ohne Lizenz:

Mit oder ohne? In Connewitz wird Graffiti hässlicher und seltener

http://www.lvz.de/Leipzig/Boulevard/Nichts-fuer-Kalorienzaehler-Erstes-Leipziger-Burger-Wettessen

https://choice.npr.org

2 Kommentare

  1. Fürwahr eine pointiert zusammengestellte Bestandsaufnahme!

    Bleibt die Frage, wie wir Deutsche uns dieser, immer enger werdenden subkulturellen Umklammerung entziehen, uns wieder unseres eigenen, kulturellen Erbes bewusst werden und uns diesem vermehrt zuwenden?

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