actio spes unica: Ein Interview

Einhergehend mit der linksgerichteten 68er-Bewegung, brach der Modernismus wie ein langsam aufziehender Sturm über die römisch-katholische Kirche hinein. Als Folge davon, laufen den beiden Großkirchen in der Bundesrepublik Deutschland die Gläubigen seit 50 Jahren in Scharen davon. Für den Katholizismus, stellte sich das Zweite Vatikanische Konzil als fatal heraus.

Ein Bollwerk gegen Liberalismus und Apostasie

Seit 1970 haben sich die jährlichen Kirchenaustritte nahezu vervierfacht. Alleine in den Jahren 1990–2016 kehrten 3,8 Millionen Deutsche der römisch-katholischen Kirche den Rücken. Trotz, oder gerade wegen der massenhaften Apostasie, biederten sich die Würdenträger der Kirche immer weiter dem entfesselt wirkenden Zeitgeist an. Alte Überlieferungen und Traditionen wurden gestrichen. Das christliche Glaubensbekenntnis und die katholische Glaubenslehre wurden aufgeweicht, oder, um es freundlicher zu formulieren, „erneuert“. Zweifellos wurde die katholische Heils- und Erlösungslehre in ihren Grundfesten erschüttert.

Der Umbruch ist so gravierend, dass man sich die Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil heute als zu spät geborener Katholik eigentlich nur noch in der Phantasie ausmalen kann. Es sei denn, man gräbt tiefer und findet den Weg zu actio spes unica. Die von Pfarrer Hans Milch im Jahre 1972 gegründete Gebets- und Sühnegemeinschaft, erscheint wie ein Bollwerk gegen den Liberalismus in der katholischen Kirche. Die in Hattersheim, bei Frankfurt am Main, angesiedelte actio spes unica, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Lebenswerk ihres Gründers Hans Milch zu bewahren, und das Ziel, eine konservative Wende in der römisch-katholischen Kirche herbeizuführen. Das folgende Interview bietet sich Interessierten als Zugang zur Tradition des Katholizismus an:

Erster Teil: Informationen über actio spes unica

Coriolan: Ihr Verein actio spes unica befindet sich im Kampf gegen die progressive Revolution, die 1965 durch das Zweite Vatikanische Konzil unter Paul VI. ausgelöst wurde. Abgesehen vom Festhalten an der überlieferten tridentinischen Messe in lateinischer Sprache, wodurch kennzeichnet sich Ihr Widerstand?

actio spes unica: Wir halten nicht nur an der überlieferten Form der Heiligen Messe und der Sakramente fest, sondern auch uneingeschränkt an der über Jahrhunderte weitergegebenen und vertieften Lehre der katholischen Kirche. Wir kämpfen auch für die Rückkehr der offiziellen Kirche zu ihrer Tradition und versuchen, Interessierte darüber aufzuklären, worin die vom Pastoralkonzil bewirkten Abweichungen von der traditionellen Lehre bestehen, und welche Folgen diese haben. Neben dem Apostolat, z.B. durch Schriften, CDs oder über das Internet, sind dabei das Gebet, Sühneleistungen und Opferbereitschaft unsere wichtigsten Waffen. Im Glaubensalltag manifestiert sich der Kampf durch die Unterstützung der Priesterbruderschaft St. Pius X., mit der wir aufs Engste verbunden sind. Viele Anhänger der actio spes unica waren am Aufbau von Messzentren und anderer Einrichtungen der Bruderschaft aktiv beteiligt und sind dort bis heute im Einsatz.

Coriolan: H.H.P. Hans Milch – Gott hab ihn selig! – war in der BRD der erste einflussreiche Pfarrer, der sich bedingungslos gegen die Neuausrichtung der katholischen Kirche stellte. Die von ihm gegründete actio spes unica konzentriert sich darauf, sein Werk zur Inspiration der katholischen Erneuerung zu bewahren und zu verbreiten. Wie gelingt das in einer Zeit, in der die Säkularisierung und Gottlosigkeit innerhalb der bundesdeutschen Gesellschaft weit voran geschritten, die katholische Kirche im Allgemeinen mit massenhaften Kirchenaustritten konfrontiert ist und viele Gotteshäuser des Sonntags leer bleiben?

actio spes unica: Es ist ein schwieriges und nach menschlichem Ermessen hoffnungsloses Unterfangen. Zwar bietet das Internet heute die Möglichkeit, die überwiegende Mehrzahl der Menschen einfach und ungehindert zu erreichen, unter der Unmenge der dort dargebotenen religiösen Inhalte und „Wahrheiten“ sind wir aber auch nur ein unbedeutendes Angebot unter vielen. Schwerwiegender noch ist die Tatsache, dass bei der breiten Masse der Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten selbst rudimentäre Grundkenntnisse des Glaubens weggebrochen sind. Selbst ein so begnadeter Seelsorger und Redner wie Pfarrer Milch wird von den meisten Menschen von heute nicht mehr verstanden, weil ihnen die elementaren christlichen Konzepte und Begriffe fremd geworden sind.

Bischof Lefevbre (rechts) und Pfarrer Milch (links)

Pfarrer Milchs Charisma übt sicherlich noch bei Manchen eine gewisse Anziehungskraft aus, vor allem bei Themen wie dem um sich greifenden Nihilismus, der Vermassung der Persönlichkeiten und der Bedeutung des Einzelnen. Der Kern Pfarrer Milchs Botschaft aber, die Notwendigkeit das Reich Gottes in der Kirche, in der Gesellschaft und im je Einzelnen wiederzuerrichten, ist weitgehend unzugänglich geworden. Zudem haben viele Menschen die „Freiheit“ von den vermeintlich einengenden Kirchen- und Gottesgeboten liebgewonnen, die Vorstellung auf Errungenschaften wie die „Freie Liebe“ verzichten oder für die eigenen Sünden Rechenschaft ablegen zu müssen, wirkt naturgemäß abschreckend.

Coriolan: Welche Bedingungen stellen Sie an Menschen, die sich mit actio spes unica identifizieren und ein Teil der Gemeinschaft werden wollen?

actio spes unica: Natürlich müssen sie sich vor allem das gleiche Ziel wie die actio spes unica zueigen machen, für die Rückkehr der katholischen Kirche zu ihrer Tradition und die Verurteilung der modernistischen Irrlehren zu kämpfen. Oder um es mit den Worten von Pfarrer Milch im Rundbrief vom 8. Februar 1977 zu sagen: Sie sollten den Willen haben, „ihr ganzes Dasein, Beten, Arbeiten und Leiden mit Christus zum Zwecke der vollkommenen Wende zu vereinen!“ Die Form des Kampfes und Widerstandes gegen die Irrlehre hängt dabei von den persönlichen Fähigkeiten und Umständen des Einzelnen ab: Sicherlich ist für viele unserer Mitstreiter eine große persönliche Tatkraft kennzeichnend. Aber gerade die Schwachen und Leidenden, die weder finanziell noch körperlich an unserem Kampf mitwirken können, sind dank ihrer Gebete und Opfer seit jeher eine tragende Säule unserer Gemeinschaft. — Schließlich setzen wir bei unseren Anhängern eine wohlwollende Einstellung gegenüber der Priesterbruderschaft St. Pius X. voraus.

Vom Augenblick, an dem Pfarrer Milch Erzbischof Marcel Lefebvre kennenlernte, stand er fest an seiner Seite und hat dessen Werk stets gegenüber anderen Gruppierungen der katholischen Tradition abgegrenzt und verteidigt. Deswegen ist eine ablehnende Haltung gegenüber der Bruderschaft mit der Zugehörigkeit zur actio spes unica nicht vereinbar.

Zweiter Teil: Historisches und Geschichte

Coriolan: Alle Päpste seit Klemens XII. (1730-1740) haben bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil eindringlich vor der Freimaurerei gewarnt. Bei Papst Leo XIII. (1878-1903) gipfelte dies in seiner Enzyklika „Humanum genus“, und der Aufforderung an die Katholiken, „der Freimaurerei die Maske vom Gesicht zu reißen, mit der sie sich tarnt“. Wie groß schätzen Sie den Einfluss der Freimaurer und ähnlicher Geheimlogen im Hinblick auf die Zerstörung des traditionellen Katholizismus in Westeuropa?

actio spes unica: Es ist offenkundig, dass das freimaurerische Gedankengut in den westlichen Gesellschaften einen überwältigenden Sieg errungen hat. Beim Zweiten Vatikanischen Konzil dürfte der Einfluss der Freimaurer vor allem indirekt zum Tragen gekommen sein: über Kardinäle, die mit ihnen in Verbindung standen bzw. selbst Freimaurer waren und die auf dem Konzil zur Gruppe der Revolutionäre gehörten. Dieser Gruppe von Konzilsvätern ist es gelungen, den katholischen Absolutheitsanspruch zugunsten des freimaurererischen Prinzips des Liberalismus preiszugeben, und zwar mit der subsistit-in Lehre von Art. 8 der Kirchenkonstitution Lumen gentium.

In der Folge hat der freimaurerische Geist auch den offiziellen Raum der katholischen Kirche fast vollständig erobert und damit den traditionellen katholischen Glauben verdrängt oder zerstört. Aufgrund der geheimen Struktur der Logen ist es müßig darüber zu spekulieren, welche Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, insbesondere auf dem Konzil, tatsächlich Freimaurer waren, von Freimaurern direkt oder nur von freimaurerischen Gedankengut indirekt beeinflusst waren. Die Lage, die wir heute vorfinden, ist, dass die Freimaurer triumphiert haben. Es nützt wenig, Verhalten, Beweggründe oder die vermeintliche Position einzelner Personen einschätzen oder beurteilen zu wollen. Der richtige Ansatzpunkt ist, die freimaurerische Lehre zu widerlegen, ihre Widersprüche und falschen Versprechungen aufzuzeigen.

Coriolan: Wie schätzen Sie in diesem Zusammenhang das Lebenswerk von Don Luigi Villa ein, der sein ganzes Leben lang Widerstand gegen die Umsturzpläne innerhalb der katholischen Kirche leistete, und dabei über Jahrzehnte mit seiner Zeitschrift „Chiesa viva“ ein Dorn im Auge der von ihm als Satanisten bezeichneten Kräfte in Rom war?

actio spes unica: Don Luigi Villa ist uns kaum bekannt. Wie man Artikeln im Internet entnehmen kann, hat er sich in sehr verdienstvoller Weise den zerstörerischen Kräften entgegengestellt. Sein Lebenswerk sollte in Deutschland bekannt gemacht werden.

Coriolan: Eine Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils war die Aufgabe des Anspruchs „Extra ecclesiam nulla salus“ hin zu „Nostra aetate“. Welche Rolle spielte dabei der Holocaust, und inwieweit sorgte die Shoa für ein Umdenken innerhalb der katholischen Kirche?

actio spes unica: Das Konzil hat sich zu “Extra ecclesia nulla salus” in ambivalenter Weise geäußert. In Lumen gentium heißt es traditionskonform, dass niemand gerettet werden kann, der um die Heilsnotwendigkeit der katholischen Kirche weiß, aber nicht in sie eintritt oder in ihr verharrt. Im Widerpruch dazu behauptet das Ökumenismusdekret, dass der Heilige Geist es nicht verschmäht habe, die anderen christlichen Religionen als Mittel des Heils zu gebrauchen. Diese antikatholische Auffassung hat sich in nachkonziliarer Zeit durchgesetzt.

Verantwortlich ist dafür nicht zuletzt die sogenannte Schule von Bologna, die die Meinungsführerschaft in puncto Konzilsinterpretation hat und die im Sinne der Revolutionäre die teilweise ambivalenten Konzilstexte deutete. Papst Benedikt XVI. versuchte vergeblich, etwas dagegen zu unternehmen. Nachdem er auf dem Konzil eindeutig zur Gruppe der Revolutionäre gehörte, versuchte er später mit halbkonservativen Positionen die Revolution abzumildern. Doch die Geister, die er rief, zeigten ihm seine Ohnmacht. — Der Holocaust spielt unseres Erachtens in diesem Zusammenhang keine Rolle.

Dritter Teil: Aktuelle Kirchenpolitik

Coriolan: Auf dem Höhepunkt der sogenannten „Flüchtlingskrise“, erklärte Bundeskanzler Frau Merkel im Deutschlandfunk: „Ich halte es mal mit Kardinal Marx, der gesagt hat: ,Der Herrgott hat uns diese Aufgabe jetzt auf den Tisch gelegt’“. Wie ist diese Aussage aus Sicht von actio spes unica zu verstehen?

actio spes unica: Wir leben in einer Zeit, in der sich die christlichen Grundwerte in Politik und Gesellschaft zusehends verflüchtigt haben. Die Vorstellung, einmal vor Gottes Richterstuhl Rechenschaft über das eigene Handeln ablegen zu müssen, ist weitgehend geschwunden. Entsprechend wächst die Neigung, sich verantwortungslos kurzfristige Vorteile zu verschaffen, ohne Rücksicht auf langfristige Folgen oder gar christliche Werte. Frau Merkel hat nicht nur in der Flüchtlingskrise unter Beweis gestellt, dass sie unter dem Druck der vermeintlich öffentlichen Meinung ohne Zögern bereit ist, fundamentale Leitlinien ihrer Partei über Bord zu werfen. Da sie zu Lebzeiten wohl kaum die Rechnung für ihre Entscheidungen selbst wird begleichen müssen, ist diese Aussage, vor allem für diejenigen, die nun die Folgen tragen müssen – milde gesagt – keine nette Geste.

Coriolan: Neben Rainer Maria Kardinal Woelki, gehört der frühere Bischof von Trier, Reinhard Kardinal Marx, zu den eifrigsten Protagonisten bei der Unterstützung der grenzenlosen Zuwanderung von „Flüchtlingen“ nach Europa, und der unwürdigen Anbiederung an den Islam. Hat es Sie verwundert, als er im Oktober 2016 bei einem Besuch auf dem Tempelberg und an der Klagemauer in Jerusalem sein Amtskreuz ablegte, um „Konflikte“ zu vermeiden?

actio spes unica: Kardinal Marx ist ein Protagonist der Konzilsideologie, die die katholische Kirche nicht länger als Inhaberin der absoluten Wahrheit ansieht, sondern nur als einen Beitrag zum Fortschritt der Menschheit durch die Steigerung zwischenmenschlich toleranter, sozialer und caritativer Verhaltensweisen. Die anderen christlichen Konfessionen, Judentum, Islam, Buddhismus, Atheismus sind für diese Ideologie trotz mancher „scheinbar“ widersprüchlichen Überzeugungen Gefährten auf dem gemeinsamen Weg der Suche nach der Wahrheit. Differenzen in Glaubensinhalten werden dabei als unwichtig erachtet.

Wichtig ist das, was Pfarrer Milch als „Verhaltensweisen“ bezeichnet, zum Beispiel Gespräche, in denen praktisch ausschließlich die Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen hervorgehoben werden, oder Gesten, die helfen sollen, die Differenzen zu überbrücken. Das Ansprechen oder Betonen von unterschiedlichen Glaubensinhalten wird von dieser Ideologie hingegen als Intoleranz ausgelegt. In diesem Sinne ist Kardinal Marx’ Geste völlig im Einklang mit seiner (Konzils-) Theologie.

Coriolan: Am ersten Fastensonntag 2018, war Marx’ Erzdiözese München und Freising Gastgeber der bundesweiten Eröffnung der „Misereor-Fastenaktion“. Bei der landesweit im Fernsehen übertragenen Messe, ging es schön bunt zu und die Brüder Nasir und Monir Aziz brachten klassische Ragamusik aus Indien zu Gehör. Zynisch gesprochen, handelt es sich dabei nicht auch um eine „kulturell-bereichernde Erneuerung“ der katholischen Kirche?

actio spes unica: Diese zum Event hochstilisierten interkulturellen und pseudoreligiösen Messen sind nicht neu und verdecken eher den eigentlichen Skandal, der sich seit über fünfzig Jahren in der katholischen Kirche abspielt, nämlich dass die katholische Glaubenslehre nicht mehr, höchstens noch rudimentär, verkündet wird. Millionen und Abermillionen von Menschen wurden und werden die Wurzeln des Glaubens ausgerissen. Damit verlieren sie Sinn und Rückhalt ihres Lebens und sind den Ängsten, Schwierigkeiten und Versuchungen der Welt schutzlos preisgegeben. Die „bunten“ Gottesdienstspektakel sind demgegenüber fast als harmlos einzustufen. Mangels inhaltlicher Substanz haben sie kaum eine nachhaltige Wirkung und führen dem vom Pastoralkonzil geprägten modernen Rom, keine nennenswerte Zahl von Neumitgliedern zu. Außerdem stehen sie im Schatten der großen Glaubensskandale der vergangenen Jahre, wie dem interreligösen Gebetstreffen von Assisi 1986, den Gebetsmeinungen des Heiligen Vaters für den Januar 2016 und den gezielten Zweideutigkeiten im Dekret Amoris laetitia.

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Für das Interview bedankt sich Coriolan herzlichst bei actio spes unica, und ausdrücklich bei Herrn Jan Wedel, der als Betreiber der hauseigenen Website fungiert. Ohne seine tatkräftige Unterstützung wäre das Gespräch nicht zustande gekommen. 

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